Philosophie
im Severins-Burg-Theater
Ab Juni 2009 veranstaltet das Forschungskolleg Inter-/Transkulturelle Philosophie des Philosophischen Seminar der Universität zu Köln unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Bickmann philosophische Vortragsabende im Severins-Burg-Theater.
Weitere philosophische Vorträge im Wintersemester 2010/2011 sind geplant und werden in Kürze auf dieser Seite bekannt gegeben.
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VERGANGENE PHILOSOPHISCHE VORTRÄGE:
Die deutsche Philosophie im kulturellen Umwandlungs- und Modernisierungsprozess der Türkei
Martin Heidegger: Zwischen einem Japaner und einem Fragenden
Lust als Glück
Neue Spielregeln für die Wirtschaft?
Ort der Begegnung
Neukonfuzianismus. Interkulturalität auf Chinesisch
Die Rolle des Geldes in Gandhis humanistischem Hinduismus
Spieglein, Spieglein ... oder: Ich und der Andere
Der Weisheit enge Pforte
LICHT von Karlheinz Stockhausen
Der 11. September in Perspektive
Terrorismus und Ausnahmezustand
Moderne und Postmoderne
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Vergange philosophische Vorträge im Severins-Burg-Theater:
28. April 2010
Die
deutsche Philosophie im kulturellen Umwandlungs- und Modernisierungspro- zess der
Türkei
Schon am Ende des 19. Jahrhunderts versuchte das Osmanische Reich sich zu modernisieren; vorsichtig öffnete man sich zum Westen hin. Grundlegender und ausnahmslos alle Bereiche erfassend, erhob die Türkische Republik nach 1923 die Modernisierung, im Sinne der europäischen Entwicklung, zum Programm.
Einmalig in der Kulturgeschichte der Türkei -aber auch Europas- ist, dass man ab 1933 Wissenschaftler aus allen Sparten in die neugeschaffene Republik zog, vor allem aus Deutschland, das einerseits schon immer in großem Ansehen stand, andererseits und vor allem aber, weil aufgrund der NS-Politik und ihrem am 07. April 1933 verabschiedeten „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ eine Vielzahl von jüdischen, aber auch 'politisch unzuverlässigen' Hochschullehrern nicht mehr in Forschung und Lehre arbeiten konnten; sie wurden entlassen, suspendiert oder zwangspensioniert.
Kurz nach Verhandlungsgesprächen zwischen Philipp Schwartz, dem Gründer der „Notgemeinschaft für deutsche Akademiker im Ausland“ und der Türkischen Regierung, wurden Hunderte von Professoren in die neue Universität von Istanbul berufen. In diesem Rahmen fanden auch deutsche Philosophen eine neue Wirkungsstätte (darunter so prominente Philosophen wie Ernst von Aster, Hans Reichenbach, Walter Kranz). Vor allem von der Vermittlung der deutschen zeitgenössischen und allgemein der traditionellen Philosophie versprach sich die politische und akademische Elite des Landes einen wesentlichen Beitrag zu einem zeitgemäßen Denken und zur Entwicklung der modernen Wissenschaften in einer sich radikal verändernden Gesellschaft.
Im Vortrag soll der Prozess der Aneignung und kritischen Anverwandlung der deutschen Philosophie in der Türkei in seinen wesentlichen Zügen dargestellt und am Beispiel der Scheler-Rezeption näher untersucht werden.
Eine Veranstaltung des Forschungskollegs Inter-/Transkulturelle Philosophie des Philosophischen Seminars der Universität zu Köln. Leitung: Prof. Dr. Claudia Bickmann.
28. Januar 2010
Martin Heidegger: Zwischen einem Japaner und einem Fragenden
Ein Vortrag, ein Gespräch von der Sprache und eine Diskussion
Mit Dr. Markus Wirtz, Viktoria Burkert und Tom Denter
Die Aufführung des Heidegger-Gesprächs wird begleitend kommentiert von Dr. Markus Wirtz.
Eine Veranstaltung des Forschungskollegs Inter-/Transkulturelle Philosophie des Philosophischen Seminars der Universität zu Köln. Leitung: Prof. Dr. Claudia Bickmann.
13. Januar 2010
Lust als Glück
Epikurs hedonistische Ethik als erste Philosophie
Vortrag von Dr. Dirk Fonfara (Universität zu Köln)
Im Zuge des Unterganges der griechischen
Stadtstaaten gegen Ende des 4. Jh. v. Chr. zieht sich der Mensch aus der
Politik zurück und sucht sein Glück nicht als Bürger einer Polis, sondern als
Individuum im Kreis kleiner Gemeinschaften. In diese Zeit fällt die Gründung
einer neuen Philosophenschule durch Epikur: sein Garten (kepos). Epikur
versteht Philosophie psychotherapeutisch als Heilung der Seele von ihren
Ängsten und Verwirrungen, um zu einem dauerhaften Lustzustand (hedone) in
seelischer Gelassenheit (ataraxia) und körperlicher Schmerzlosigkeit (aponia)
zu gelangen. Spätere Philosophen warfen Epikur radikalen Hedonismus, strengen
Sensualismus und Atheismus vor. Im Vortrag soll aufgezeigt werden, inwiefern
diese Kritik unzutreffend ist, die Ethik als wahre Philosophie durch die Logik
und die auf ihr basierende, materialistisch-atomistische Physik vorbereitet
wird und für das Glück des Menschen nicht jegliche Lust zu wählen und jeder
Schmerz zu meiden ist, sondern das Abwägen, Überlegen und Entscheiden eines
„nüchternen Verstandes“ ausschlaggebend ist für ein gelingendes Leben, das
nicht in einem übermäßigen Genuss besteht, sondern bereits durch eine möglichst
unaufwendig zu erreichende Beseitigung eines Mangels, der Unlust, erlangt wird.
Abschließend soll der Epikureische Weise mit anderen Ethiken bzw. Glückstheorien
(z.B. Platon, Aristoteles oder Thomas von Aquin) in Beziehung gesetzt werden,
um daran Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Ethik-Typen
aufzuzeigen.
Dirk Fonfara ist
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Husserl-Archiv der Universität zu Köln. Sein
Forschungsgebiet ist die griechische antike Philosophie (vor allem Platon und
Aristoteles) und ihre Rezeption im lateinischen Westen (Boethius, Albertus
Magnus, Thomas von Aquin), vermittelt durch die islamischen Philosophen
Avicenna und Averroes. Systematisch befasst er sich vornehmlich mit der Frage
nach dem Glück des Menschen und dem Verhältnis zwischen einer höchsten
philosophischen Wissenschaft und der Offenbarungstheologie
09. Dezember 2009
Neue Spielregeln für die Wirtschaft?
Umbrüche und Aufbrüche im ökonomischen Denken
Vortrag von Prof. Dr. Silja Graupe
(Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn)
Silja Graupe ist Juniorprofessorin für Philosophie und Wirtschaft an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn. Im Rahmen der interkulturellen Philosophie, der interkulturellen Ökonomie sowie der japanischen Philosophie erforscht sie systematisch die Grenzen gegenwärtigen Wirtschaftsdenkens und weist Alternativen zu diesem vor allem im Dialog mit Japan und China auf.
Eine Veranstaltung des Forschungskollegs Inter-/Transkulturelle Philosophie des Philosophischen Seminars der Universität zu Köln. Leitung: Prof. Dr. Claudia Bickmann.
11. August 2009
Ort der Begegnung
Vortrag von Dr. Kai Hochscheid (Hochschule für Künste Bremen)
Die Begegnung braucht immer auch einen Ort. Ein Theater zum Beispiel. Gibt es diesen Ort (des Theaters) vor der Begegnung oder gibt es den Raum nurmehr als Konsequenz der Begegnung? Ort der Begegnung – Ort, der eine Begegnung ermöglicht, oder Begegnung, die einen Ort entstehen lässt. Diese doppelte Struktur des Ortes ist wesentlich in das Geschehen der Begegnung eingeschrieben. Erst dadurch kann der oder die Eine dem oder der Anderen begegnen.
Dr. Kai Hochscheid lehrt Philosophie an der Hochschule für Künste Bremen und an der Universität Bemen. Seine Forschungsgebiete umfassen die deutsche klassische Philosophie und die deutsche und französische Philosophie des 20. Jahrhunderts (Heidegger, Gadamer, Derrida, Foucault, Deleuze).
Eine Veranstaltung des Forschungskolleg Inter-/transkulturelle Philosophie des Philosophischen Seminars der Universität zu Köln, Leitung: Prof. Dr. Claudia Bickmann.
24. Juni 2009
Neukonfuzianismus
Interkulturalität auf Chinesisch
Vortrag von Martin Müller M.A.
Eine Veranstaltung
des Forschungskollegs Inter-/Transkulturelle Philosophie des
Philosophischen Seminars der Universität zu Köln. Leitung: Prof. Dr. Claudia Bickmann.
10. Juni 2009
Die Rolle des Geldes in Gandhis humanistischem Hinduismus
Vortrag von PD Dr. Monika Kirloskar-Steinbach
Eine Veranstaltung der Forschungskolleg Inter-/Transkulturelle Philosophie des Philosophischen Seminars der Universität zu Köln. Leitung: Prof. Dr. Claudia Bickmann.
25. November 2008
Spieglein, Spieglein... oder: Ich und der Andere
Jacques Lacan im Chungking Express
Der Vortrag thematisiert das Spiegelstadium Jacques Lacans und wird versuchen, die darin beschriebene Figur der Identitätsgewinnung nachzuzeichnen. Eine Ausdifferenzierung der Performanz dieses Konzeptes stellt den Rahmen des Vortrags. Dabei soll das Spiegelstadium jedoch nur ein Ausgangspunkt sein, denn im Verlauf des Vortrages soll dieses Konzept auf die Identitätsbildung im Erwachsenenalter übertragen werden. Dazu wird es notwendig sein, die verschiedenen Instanzen der Identität von Lacans Subjekt zu verorten und in ihrem Wechselspiel zu bestimmen.
Die gewonnenen Instanzen der organischen Realität, des Imaginären und der symbolischen Ordnung werden anhand des Films "Chungking Express" von Won Kar-Wai verortet und in ihrem Wechselspiel zum Ausdruck gebracht. Durch eine Übertragung von Lacans Theorie in den Film und durch die Analyse des Protagonisten, Polizist 633, werden sowohl die Funktionsweise des Spiegelstadiums im Erwachsenenalter, als auch dessen Grenzen nachgewiesen und kritisch beleuchtet.
Der/die Andere (Faye) wird auf diese Weise vor den Hintergrund der Entwicklung des Subjekts gestellt und zugleich als seine Begrenzung benannt. So wird sich das Ende des Films als die bildhafte Grenze der Möglichkeiten der Entwicklung des Subjekts erweisen. Die symbolische Ordnung wird dazu notwendig in ihrer umfassenden Determination ausgewiesen und hinterfragt werden müssen.
28. Oktober 2008
Der Weisheit enge Pforte ...
Zum Verhältnis von Weisheit und Wissen im Abend- und Morgenland
Vortrag von Dr. Myriam-Sonja Hantke
30. September 2008
LICHT von Karlheinz Stockhausen
Erleuchtung des Geistes oder Opfer des Verstandes?
Vortrag von Dr. Markus Wirtz, Respondent: Dr. Christian Bauer
Der Vortrag wird vor allem auf die – eigenwillige und immer wieder kritisierte – Ästhetik Stockhausens, die kosmischen und astronomischen Bezüge des LICHT-Zyklus sowie die „Angelologie“ der Hauptgestalten Michael, Eva und Luzifer eingehen. In der anschließenden Diskussion soll danach gefragt werden, ob und inwiefern Stockhausens Musik eine Erleuchtung des Geistes bewirken kann oder ob sie eher das Opfer des Verstandes voraussetzt.
24. Juni 2008
Der 11. September in Perspektive
Nietzsches Nihilismusbegriff aktualisiert
Vortrag von Hans Kesseler (sel. A.)
Klimakatastrophe und drohende Arbeitslosigkeit, aber auch Kriege und Terrorismus erzeugen weltweit Angst, zwischen Fußballtoren und Wahlsiegen erfahren wir die Finanzkrise als noch nicht abgewendet. Je hektischer die Ereignisse sind, desto ratloser und oberflächlicher reagieren unsere Leitmedien. Kann die Philosophie mit ihren Potentialen an Distanz und Selbstkritik etwas Licht einbringen? Ein Versuch an einem globalen Ereignis sei gewagt.
Terrorismus und Ausnahmezustand
Verschlingt die Sicherheitspolitik den Rechtsstaat?
Vortrag von Björn Karg M.A.
Der 11. September 2001 ist in rechtspolitischer Hinsicht zum Synonym für den Beginn eines Grundrechteabbaus der westlichen Demokratien geworden. Verwandelt sich unsere Zivilgesellschaft auf Grund der globalen Terrorismusgefahr sukzessive in eine archaische Kriegsgesellschaft, deren vorherrschendes Paradigma der Ausnahmezustand und nicht mehr die Rechtstaatlichkeit ist? Oder wird durch den viel beschworenen Terrorismus nur ein System der Angst installiert, welches den Überwachungsstaat rechtfertigen soll? In dem Vortrag wird anhand der Texte Michel Foucaults und Giorgio Agambens der derzeitige normative Wandel globaler Sicherheitspolitik und seine politischen Implikationen rekonstruiert, so dass im Anschluss kontrovers diskutiert werden kann.
29. April 2008
Moderne und Postmoderne
Versuch einer Verortung im Spannungsverhältnis von Kunst und Philosophie
Vortrag von Viktoria Burkert M.A.
Wo befinden wir uns heute - nach dem Ende der Großtheorien, der Utopien und Ideologien, nachdem sowohl Gott als auch das Subjekt für to erklärt wurden? Welches sind mögliche Gründe für diese Verabschiedungen und wodurch werden die vielen Leerstellen jeweils neu besetzt? Der Vortrag sucht innerhalb der zeitgenössischen Kunst und Philosophie nach Antworten auf diese Fragen und beleuchtet das Verhältnis dieser Antworten zu klassischen philosophischen Begriffen wie Zweck, Einheit, Wahrheit und Freiheit.