Severins-Burg-Theater

Politik
im Severins-Burg-Theater

Ab Januar 2009 präsentieren wir in unserer Reihe "Politik im Severins-Burg-Theater" regelmäßig Vorträge zu aktuellen politischen Themen.

Im Anschluss an die Vorträge findet eine Diskussion statt.

Weitere politische Vorträge sind geplant und werden in Kürze auf dieser Seite bekannt gegeben.


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VERGANGENE POLITISCHE VORTRÄGE:
Eine Million Unterschriften. Zur Lage der Frauen im Iran
Fünf Parteien. Lesung zur Bundestagswahl 2009
Gastlichkeit und Abschottung
It's the jews, stupid! Die 'Israelkritik' als neuer Antisemitismus
Was bedeutet uns Europa? (Politisches Frühshoppen)
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Vergangene politische Vorträge im Severins-Burg-Theater:

11. Oktober 2009
Eine Million Unterschriften
Zur Lage von Frauen im Iran und zur aktuellen Kampagne gegen frauendiskriminierende Gesetze

Vortrag von Monireh Kazemi

Nach den Protestversammlungen vom Juni 2006 auf dem Hafte-Tir-Platz in Teheran initiierten einige Gruppen von AktivistInnen eine Kampagne für Frauenrechte mit dem Ziel, eine Million Unterschriften gegen frauendiskriminierende Gesetze zu sammeln. Dabei geht es den FrauenaktivistInnen vor allem auch darum, eine zivilgesellschaftliche Bewegung anzustoßen und mit persönlichen Gesprächen und Diskussionen in Autobussen und Parks, beim Friseur und auf Familienfeiern, in Universitäten und Büros das gesellschaftliche Klima zu beeinflussen und an einer landesweiten Vernetzung zu arbeiten. Die Aufforderungen der Kampagne basieren auf den gesammelte Erfahrungen der nahezu 100 Jahre alten iranischen Frauenbewegung und auf der Erfahrung einer ähnlichen Kampagne, die in Marokko erfolgreich mit Unterstützung des Königs umgesetzt wurde.
Erstmals beteiligen sich Frauen mit unterschiedlichen politischen Hintergründen, säkulare und religiöse, gemeinsam an einer Kampagne für Frauenrechte, die langfristig angelegt ist. Im Laufe der Aktivitäten kam es zu zahlreichen Einschüchterungsversuchen und Verhaftungen von AktivistInnen, aber auch zur Unterstützung durch prominente Geistliche.

Im Vortrag werden die Kampagne und ihre Akteurinnen näher beleuchtet, eine Einschätzung des bisher Erreichten und der weiteren Perspektiven vorgenommen und ein Bild der aktuellen Situation von Frauen im Iran gezeichnet.

Monireh Kazemi ist im Iran geboren und musste aus politischen Gründen ihr Heimatland verlassen. Sie lebt seit vielen Jahren in Deutschland und engagiert sich für Frauenrechte. Sie arbeitet in verschiedenen Frauengruppen und Netzwerken mit.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit TERRE DES FEMMES Städtegruppe Köln.



23. September 2009
Fünf Parteien
Lesung aus den Grundsatzprogrammen der im Bundestag vertretenen Parteien zur Bundestagswahl 2009

In der letzten Phase des Bundestagswahlkampfes 2009 präsentiert das Severins-Burg-Theater eine Lesung aus den Grundsatzprogrammen der fünf im Bundestag vertretenen Parteien.
In einer spannungsreichen, informativen und unterhaltsamen szenischen Lesung stehen die Parteiprogramme mit ihren grundsätzlichen Forderungen, Zielen und Werten im Mittelpunkt, sie allein kommen zu Wort, werden miteinander in ein Gespräch gebracht, das - mal in einem nüchternen Nebeneinander, mal einander freundlich gestimmt, mal in hitziger Auseinandersetzung - vielfältige Einblicke in die Tiefen der Partei-Identitäten erlaubt.
Dabei bildet die Darstellung der jeweiligen Grundüberzeugungen den Rahmen für die Illustration unterschiedlicher und gemeinsamer Ansichten zu politischen Themenfeldern wie Bildung und Kultur, Internationale Politik und Europa, Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialpolitik, Familie, Bürgergesellschaft und Demokratie - all dies nah am Text, unparteiisch und zu einer weiteren gemeinsamen Auseinandersetzung anregend.

Mit Viktoria Burkert, Gerd Buurmann, Mareike Marx, Burkhard Schmiester und Janina Schmulder.



24. Mai 2009
Gastlichkeit und Abschottung
Über zwei Prinzipien europäischer Migrationspolitik

Vortrag von Björn Karg, M.A.

"Libertas, Securitas, Justitia", so lautet der Untertitel der vom Rat der Europäischen Union installierten Sicherheitsagentur Frontex, welche jährlich tausende Flüchtlinge an den europäischen Grenzen mittels eines hochgerüsteten militärischen Komplexes abfängt und in Auffanglager abschiebt. Dabei liegt die rechtliche Stellung der Agentur im Dunkeln. Zwar handelt sie im Auftrag der EU Mitgliedsstaaten, ist aber ihnen gegenüber, außer in einem formellen Jahresbericht, zu keiner Auskunft über spezifische Aktivitäten verpflichtet. Die tatsächlichen Prozeduren europäischer Asylpolitik bleiben im Dunkeln und werden schon als das bestgehütetste Geheimnis der EU bezeichnet. Diese Strategie des Nicht-wissen-wollens seitens der EU hat für sie den Vorteil, gegen selbstverschuldete Menschenrechtsverletzungen außerhalb des eigenen Hoheitsgebietes nicht vorgehen zu müssen. Im Namen von Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit wird das Sterben vieler Flüchtlinge auf hoher See als sogenannter Kollateralschaden innereuropäischer Stabilität in Kauf genommen.
So stellt sich die eine Seite europäischer Migrationspolitik als Abschottung gegenüber unerwünschten Flüchtlingen dar, die auch leichtfertig "Illegale" genannt werden. Die andere Seite gibt sich hingegen als guter Gastgeber, der sich hochqualifizierte MigrantInnen für die europäischen Arbeitsmärkte wünscht.
Diese Zweiteilung der Migrationspolitik in Gastlichkeit und Abschottung wird in dem Vortrag untersucht. Anhand der Überlegungen Immanuel Kants, Michel Foucaults und Jacques Derridas werden zudem die denkerischen Grundlagen des staatlichen Umgangs mit MigrantInnen beleuchtet, um diese als historisch bedingt und somit vor allem als veränderbar hervortreten zu lassen.

Björn Karg hat in Köln Völkerrecht und Philosophie studiert und promoviert derzeit in Philosophie über die Achtung und Anerkennung des anderen Menschen als Grundlage der Rechtsbeziehungen im Denken von Kant, Hegel und Levinas.



20. Januar 2009
It’s the Jews, stupid!
Die "Israelkritik" als neuer Antisemitismus

Vortrag von Alex Feuerherdt, freier Autor (Bonn)

Einer Umfrage zufolge meinen 51,2 Prozent der Deutschen: "Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben." Gar 68,3 Prozent sind der Meinung, Israel führe „einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser". Gleichzeitig vertritt eine Mehrheit die Ansicht, man könne in Deutschland keine Kritik am jüdischen Staat üben, ohne sogleich von der "Antisemitismuskeule" getroffen zu werden. Wer diese Keule schwingt, bleibt zumeist unausgesprochen, aber die Gerüchteküche weiß bestens Bescheid und serviert auch 64 Jahre nach Auschwitz die immergleichen Verdächtigen: den Zentralrat der Juden, den Mossad, die "zionistisch kontrollierten Medien". Sicherheitshalber verstecken sich die "Israelkritiker" deshalb hinter jüdischen Kronzeugen, denn die können schließlich keine Antisemiten sein. Oder doch? Warum "Israelkritik" nichts anderes ist als eine moderne Variante des Judenhasses, welche psychohygienischen Funktionen die antiisraelischen Ressentiments haben und wieso jede Diskussion mit Antisemiten dem Versuch ähnelt, einem Tier das Sprechen beizubringen, darum soll es in diesem Vortrag gehen.




08. März 2009
Ein neues Lied, ein besseres Lied ...
Was bedeutet uns Europa?

Politisches Frühshoppen mit Rebecca Harms (Bündnis90/Die Grünen), Dr. Isabel Rohner (Universität Hagen), Gerd Buurmann (Severins-Burg-Theater).

"Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich Euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.
Ein neues Lied, ein besseres Lied,
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.
Die Jungfrau Europa ist verlobt
Mit dem schönen Geniusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Sie schwelgen im ersten Kusse."

Diese Worte dichtete Heinrich Heine während seiner Deutschlandreise 1844. Heute ist dieses Lied Wirklichkeit geworden. Die Grenzen in Europa sind gefallen, die Menschen können sich frei untereinander bewegen und der Friede ist gesichert. Eigentlich müsste ganz Europa im Freudentaumel schwingen, ganz nach Heines Worten:

"Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen."

Aber dieser Freudentaumel stellt sich nicht ein. Stattdessen werden alte nationale Gedanken wieder wach. Auch Heine kannte schon diese Flucht in die Vergangenheit.

„Das Mittelalter, immerhin,
Das wahre, wie es gewesen,
ich will es ertragen – erlöse uns nur
Von jenem Zwitterwesen,

Von jenem Kamaschenrittertum,
Das ekelhaft ein Gemisch ist
Von gotischem Wahn und modernem Lug,
Das weder Fleich noch Fisch ist."

Im Severins-Burg-Theater wird nun Rebecca Harms, Abgeordnete des Europäischen Parlaments für die Grünen zusammen mit Dr. Isabel Rohner von der Universität Hagen und dem Theaterleiter Gerd Buurmann ein Gespräch über die Frage führen: "Was bedeutet uns Europa heute?"