Severins-Burg-Theater
Theaterproduktionen
des Severins-Burg-Theaters


Der Schwerpunkt des Severins-Burg-Theaters liegt auf den eigenen Schauspielproduktionen, die auf dieser Seite - chronologisch geordnet nach Premierendaten - vorgestellt werden.

Mit den Hausregisseuren Burkhard Schmiester und Gerd Buurmann zeigen zwei spannende und vielseitige Künstler ihre Interpretationen von Klassikern, von eigenen Stücken und von Stücken moderner Autorinnen und Autoren.

Zudem inszenieren Boris Becker, Caroline Bliemel, Sophie Brüss, Gerrit Booms, Carsten Dworak, Marcel Höfs, Ali Jalaly, Frank Kirchmaier, Susan Klaffer, Mareike Marx, Thomas Schrage und Joseph Vicaire für das Severins-Burg-Theater.

Und Astrid Kröse, Lily McLeish und Jochen Molitor von der englischsprachigen Theatergruppe port in air.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
ÜBERBLICK:
Dachlawine. The Prisoner of Second Avenue - Aktuelle Termine Oktober bis Dezember 2010
Alles Liebe - oder nicht? - Aktuelle Termine im November 2010
Dracula - Zwei reichen völlig
Aktuelle Termine im September 2010
Femmes

Die Beichte
Messer in Hennen
Macbeth - Aktuelle Termine im September und Oktober 2010
Morgen noch hier
Emilia Galotti
Der letzte der feurigen Liebhaber
Two Queens

Sternenjagd
Der elektrische Reiter
Semele
Der Kaufmann von Venedig
Der Ansager einer Stripteasenummer gibt nicht auf
Mit brennender Geduld
Don Juan trifft Amor

Is it still day?
Gehirne am Strand
Halloween. Die Nacht vor Allerheiligen
Dona Rosita bleibt ledig
Eva. Hitlers Geliebte
Schmitze Schäng und dat Gerti
King Lear und seine Töchter
Drinnen
Mutterliebe
Richard III.
Deutschland. Ein Wintermärchen - Aktuelle Termine im November und Dezember 2010
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Premiere: 27. Oktober 2010
Aktuelle Termine von Oktober bis Dezember 2010: Mittwoch, 27.10., Donnerstag, 28.10., Freitag, 29.10., Samstag, 30.10., Sonntag, 31.10., Donnerstag, 04.11., Sonntag, 07.11., Mittwoch, 10.11., Donnerstag, 11.11., Mittwoch, 08.12., Donnerstag, 09.12., Mittwoch, 22.12., Donnerstag, 23.12., jeweils um 20 Uhr
Dachlawine. The Prisoner of Second Avenue
Von Neil Simon

Mel Edison kann nicht mehr: seine Nachbarn, der Müll, das Wetter und sogar seine Toilettenspülung rauben ihm den letzten Nerv, Einbrecher sein gesamtes Hab und Gut. Dann verliert er auch noch seine Arbeitsstelle und damit völlig die Beherrschung - von seinem Verstand nicht zu reden …

Aber da ist ja noch seine Frau Edna, die ihm nach Kräften zur Seite steht: beherzt stürzt sie sich ihrerseits in ihren neuen Job, um ihren Mann zu unterstützen. Doch im New Yorker Großstadtdschungel drohen nun auch ihre Nerven, nebst aller guter Vorsätze, langsam aber sicher zu schwinden …

Neil Simon (*1927) ist einer der erfolgreichsten und meistgespielten Bühnenautoren Amerikas ("The Odd Couple", "Barefoot in the Park"). Geboren mitten in der New Yorker Bronx, weiß er genau, wovon er spricht. Seine Erfolgskomödie "The Prisoner of Second Avenue" hatte am 11. November 1971 im Eugene O'Neill-Theatre am Broadway Premiere (798 Vorstellungen mit Peter Falk und Lee Grant; später verfilmt als 'Das Nervenbündel' mit Jack Lemmon und Anne Bancroft), und ist heute mindestens genauso aktuell wie damals. Nicht umsonst läuft das Stück seit Juli 2010 einmal mehr im Londoner Westend mit Jeff Goldblum und Mercedes Ruehl.

Mit Carsten Dworak und Laura Blaeser.
Bearbeitung und Inszenierung: Carsten Dworak.


Aktuelle Termine im November 2010: Sonntag, 21.11., Mittwoch, 24.11., Donnerstag, 25.11., Sonntag, 28.11., jeweils um 20 Uhr
Premiere: 19. August 2010
Alles Liebe - oder nicht?
Von Martin Cordemann

Sie findet immer wieder neue Gründe, um ihn zu verlassen. Aber wird sie einen Grund finden, mit ihm zusammen zu bleiben? Denn das ist alles Liebe - oder nicht? Und dann ist da noch der Nachbar, der ständig vorbeikommt, um sich an der Bar zu bedienen. Ist er die Lösung? Oder das Problem? Oder ist das alles nur so eine Art "Beziehungsschwierigenpädagogik"?

Die Uraufführung des Stückes vom Autor des beliebten Köln-Comics "Die DomSpitzen" - nur im Severins-Burg-Theater.

Mit Martin Cordemann, Sabine Kämper und Tilmann Courth.
Inszenierung: Gerd Buurmann. Kostüme: Iris Zimmermann.





Aktuelle Termine im September 2010: Freitag, 17.09., Sonntag, 19.09., Sonntag, 26.09.;  jeweils um 20 Uhr
Premiere: 06. August 2010
Dracula - zwei reichen völlig
Von Victoria Wiese

Dialog zweier arbeitsuchender Schauspieler:
Victoria: Ich finde, es ist an der Zeit der Welt etwas Bedeutsames zu hinterlassen.
Boris: Hört, hört. Angst um Dein Karma, was?
Victoria: Nein. Obwohl man's ja auch nicht wissen kann. - Warum beglücken wir die Freie Theaterszene Kölns nicht mit unserer eigenen Zweimann-Produktion?
Boris: Hm.
Victoria: Wieso nicht? Bis uns mal einer engagiert hat sind wir doch längst im Seniorenfach gelandet.
Boris: Also ich komme gerade erst von einer sehr erfolgreichen Tournee mit Gunther Emmerlich und Toni Marschall zurück.
Victoria: Wir müssen die Sache selbst in die Hand nehmen.
Boris: Na ja, vielleicht etwas Komisches. Die Leute lachen   ja gern.
Victoria: Ja oder einen Klassiker? - "Nathan der Weise".
Boris: Hm. Oder Filmklassiker...
Victoria: "Vom Winde verweht"!
Boris: Quatsch! - "The Empire Strikes Back".
Victoria: ???
Boris: Star Wars. Mann, Mann Wiese!
Victoria: Oder "Die Vögel". Hitchcock.
Boris: Ach! - Nein, nein, das ist alles nichts. Wie wäre es denn mit Bram Stoker's...
Victoria: Dracula? - Zu zweit?
Boris: War nicht die Rede von einer Zweimann-Produktion?
Victoria: Schon; aber meinst Du, dass Zwei da reichen werden?
Boris: Ach. Zwei reichen völlig.

Mit Boris Becker und Victoria Wiese. Inszenierung: Boris Becker




Premiere: 07. Juli 2010
Femmes
adaptation libre & libérée du film de George Cukor

Les Miss Stück présentent leur première production dans la mise en scène de Sophie Brüss du "Jüdisches Theater Tacheles".

"Femmes" est une adaptation libre et du film de George Cukor de 1939 et de la pièce de théâtre de Clare Boothe Luce.

Peut-on faire confiance en son mari? En sa meilleure amie? En sa concurrente? Un burlesque sur la femme sous toutes ses facettes.

Avec Agnès Fama, Annelaure Sauton, Audrey Richard, Cécile Fougerouze, Chiraz Zapf, Christelle Delaleuf, Kristel Sarfatti.
Mise en scène: Sophie Brüss

Pour les fans de football: les résultats des matchs seront diffusés durant la pièce.





Premiere: 17. Juni 2010
Die Beichte
Von Felix Mitterer

Es ist eine schmerzvolle Beichte, die Felix Mitterer in seinem hochaktuellen Stück entwirft. Es erzählt die Geschichte des verwaisten Chorknaben Martin, der von einem Priester missbraucht wird und als Erwachsener dasselbe mit seinem Sohn tut. Entschlossen, sich und das Kind zu töten, um ihm ein Schicksal wie sein eigenes zu ersparen, begibt er sich in die Kirche, in der sein ehemaliger Beschützer und Peiniger Pater Eberhard die Beichte abnimmt. Es kommt zu einer aufwühlenden Auseinandersetzung des Opfers mit dem Täter.

Mitterer greift in seinem bestürzenden Stück das Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch ihre klerikalen Erziehungsberechtigten auf. Ohne einseitig zu verurteilen oder einem billigen Opfermythos zu huldigen, zeigt er die psychologischen und sozialen Hintergründe und die möglichen Folgen derartiger Verletzungen auf.

Das Severins-Burg-Theater hat „Die Beichte“ kurzfristig ins Programm genommen und reagiert damit auf die aktuellen Missbrauchs-Skandale in kirchlichen Einrichtungen.

Am Freitag, 18. Juni findet im Anschluss an das Stück eine Publikumsdiskussion mit Schauspielern und Experten statt.

Inszenierung: Marcel Höfs

Pressestimmen:

"Ein Mann stürzt in die Kirche, will beichten und droht, sich und seinen Sohn umzubringen. Denn er hat seinem Kind das angetan, was ihm einst ein Pater zufügte - ebenjener, der nun die Beichte anhören soll. Das Severins-Burg-Theater hat Felix Mitterers 2004 uraufgeführtes Drama um sexuellen Missbrauch in kirchlichen Erziehungsanstalten aus aktuellem Anlass ins Programm genommen. Sicher: In seiner Häufung fataler Umstände wirkt das Stück überdosiert, und nicht gerade subtile emotionale Paukenschläge setzt auch die Inszenierung von Marcel Höfs. Dabei ist es fast unmöglich, sich nicht von dem traumatischen Geschehen packen zu lassen. Das liegt zum einen am Bühnenbild, das den Gewölbekeller gelungen in einen sakralen Ort verwandelt. Aber auch an den engagierten Schauspielern: Neben Jürgen Albrecht als Ex-Chorknabe und Friedhelm Weiss als Pater Eberhard überzeugt vor allem Volkan Sazli in der Doppelrolle als Martins Sohn und zwölfjähriges Ich." (Jessica Düster, Kölner Stadtanzeiger, 23. Juli 2010)

"Einen besseren Spielort hätte man in Köln indessen kaum finden können. Schließlich trifft in dem kleinen Südstadt-Theater die Kunst nicht nur auf Kapital (wie in der Reihe "Kunst Gegen Bares"), sondern reflektiert immer auch das aktuelle Zeitgeschehen. Und das ist mindestens ebenso bedeutsam wie der Unterhaltungsauftrag." (Kölner Illustrierte, Juli 2010)



Premiere: 03. Juni 2010
Messer in Hennen
Von David Harrower

In einer brachgelebten Landschaft flackern drei Schatten durch die Luft. Umgeben von rituellen Gesängen und undefinierbaren Geräuschen scheinen sie wie aus einer Zwischenwelt. Erst nach und nach werden die Elemente deutlich: ein Wasserlauf, ein sich drehender Mühlstein, ein Feuer. Die Schatten kommen zur Ruhe und werden zu (beinahne) normalen Menschen: Als junge Frau, ihr Ehemann und der Außenseiter Gilbert fristen sie ihr Dasein. Hier der Pflüger mit ausgeprägter Tierliebe, da seine bauernschlaue Frau mit den großen Fragezeichen im Kopf und dort der stille und genügsame Müller mit den Büchern. Noch schützen sie ihr Aberglaube und die Unwissenheit. Doch ein Zufall lässt die drei schließlich aufeinander prallen - und plötzlich sägen sie an ihren eigenen Ästen.

Das junge Redrum Ensemble um Regisseur Gerrit Booms fragt in "Messer in Hennen" nach dem Urgrund unserer Entscheidungen. Fernab aller theologischen Behauptungen stellt es den philosophisch-anthropologischen Kulturalismus gegen die Annahme einer fließenden, uferlosen Lebensenergie. Die Japaner nennen es ki, hierzulande viele Eso-Quatsch. Sind es Selbstbestimmung und Wissensdurst, die uns antreiben? Oder müssten wir nur wieder die mystisch-mythischen Kräfte zu spüren verstehen? Vielleicht ist ja die Erkenntnis am Ende gar keine Selbsterweckung, sondern im Grund eine Rückbesinnung.

Mit Jörn Behr, Verena Schmitz, Carlos Villanueva.
Inszenierung: Gerrit Booms.


                                                                                                                Foto: G. Booms



Aktuelle Termine im September und Oktober 2010: Freitag, 03.09., Sonntag, 05.09., Donnerstag, 09.09., Freitag, 10.09., Samstag, 11.09., Mittwoch, 29.09., Donnerstag, 30.09., Freitag, 01.10., Sonntag, 03.10., Freitag, 08.10., Samstag, 09.10.; jeweils um 20.30 Uhr
Premiere: 19. Februar 2010
Macbeth
Von William Shakespeare

In die Schlacht sind sie gezogen, sie haben den Sieg errungen, ihrem Big Boss in gegnerischer Phalanx blutige Bresche geschlagen, nun feiern Bad Mec und Bloody Ben und erwarten Dank und Belohnung.
Ben jedoch schielt schon wieder zur Gattin des Mec, von diesem schlicht Lady geheißen, und die Lady schielt zurück. Sie ist ihren Mec, der großen Schlachten nur für seinen Boss schlägt, abgekämpft zu Hause hingegen ein Langeweiler ist, leid: seine testosterongefüllte Kommunikations-Brutalität wie seine sie nur gelegentlich in Anspruch nehmenden Vanilla-Sex-Gelüste. Von Ben erwartet sie sich mehr, viel mehr, und den Mec will sie ihm zuliebe abschaffen.
Dem Trunkenen suggeriert sie darum, dass er selber doch Boss sein könne, dass er, Mec, Big Boss werde, wenn er diesen über die Klinge springen lasse. Bad Mec plagen einige Skrupel, dann aber geht er auf die Lady ein – und die triumphiert: Der Mörder, weiß sie, wird gefasst, abgeurteilt werden, und sie wird mit Ben die Freiheit und die Lust genießen – Bloody Ben weiß die Intrigante als den von ihr Verführten auf ihrer Seite.
Als Bad Mec nach blutiger Tat – seinen Big Boss hat er in die Hölle geschickt – den jolly good fellow Ben als Zeuge seiner mörderischen Tat mundtot gemacht wissen will, täuscht die Lady ihm vor, Ben selber ausschalten zu wollen, und, einen weiteren Rauschzustand nutzend, suggeriert sie ihm, nur ein gegen ihn aufziehender Wald und ein von keinem Weib geborener Mann könne ihm, dem neuen Big Boss, gefährlich werden.
In größter Unbekümmertheit, in hemmungslosester Sorglosigkeit aber wird Bad Mec schließlich erfahren, dass er verführt, verraten und betrogen worden ist. Und als der große Wald der tückischen Lady gegen ihn aufzieht und der von keinen Weib geborene Mann, der vor der Zeit aus dem Mutterleib geschnittene Bloody Ben ihn attackieren, begehrt er ein letztes Mal auf: gegen seine Hybris, gegen seinen Machtwillen, gegen seine Vermessenheit, und muss – „In tyrannos!“ – doch sterben.

Mit Gerd Buurmann, Janett Bobel und Thorsten-Kai Botenbender.
Inszenierung: Burkhard Schmiester.


                                                                                       Foto: A. Ruiz Tamayo

Anmerkungen zum "Macbeth"

Die Verführbarkeit des Menschen, sein Wille zur Macht, jenseits von Gewissen und Skrupel: das ist Shakespeares Thema in seinem Drama „Macbeth“, die Hybris eines Großen, der noch größer werden wollte, der aber stürzte, von bösen Mächten, von Hexen verführt. Dass er König werden könne, flüstern die ihm zu, dass er den herrschenden König darum aber morden müsse, nötigt ihn Lady Macbeth.
Und Macbeth mordet: erst den König, dann die Zeugen seiner Tat, all seine Widersacher – seine Freunde fliehen vor ihm. Macbeth wird zum Tyrannen, zum Monster, gegen jede Moral und Ethik versündigt er sich, badet immer tiefer im Blut – bis er, der der Menschenwürde hoffärtig trotzt, tief fällt, es fällt auch sein Kopf ...
Die gnadenlose Hybris des Menschen, seine Gier zur Größe, seine Machtwille aber bleibt in anderen Köpfen, sind Stoff für weitere Tragödien Shakespeares, und wenn Macbeth den Einflüsterungen böser Mächte unterliegt, so z.B. braucht Richard III keine Außerirdischen, er beschließt selber, ein Bösewicht zu werden. Und über Schillers Wallenstein, („Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte? Nicht mehr zurück, wie mir's beliebt? Ich müsste die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht?“) führt der dramatische Weg der Machtgier in die Moderne: unerschöpflich ist den Autoren diese menschliche Schattenseite.
Wenn das Severins-Burg-Theater in der Regie von Burkhard Schmiester Shakespeares „Macbeth“ bearbeitet nun vorzeigt, gilt die Intention der Arbeit sicherlich der Schwäche des Macbeth und seiner Hybris, nicht aber im Kontext der Schlachtfelder, der Krieger und Heerführer einer royalen Hierarchie, es braucht auch keine schottischen Hochmoore und Hexen: die Gier und Gewalt fördernde Atmosphäre sucht diese Inszenierung im Privaten, in den gewissermaßen unter dem Teppich und der Bettdecke lauernden Ängsten, in den Verletzungen aus Gewohnheit und Eitelkeit – in der Psychopathologie des Alltagslebens also. Sichtbar bleiben da nur noch Macbeth, ein Workaholic, die Lady mit ihrem Hausfrauenfrust, Banco, der Freund und Nebenbuhler, ein Gemenge für die daraus entstehenden Affekte bis zu einem die drei verbindenden wie trennenden Trauma zum Tod.
Ohne Hexen ist der Alteritätskonflikt, das Problem des Außenseiters, die Tragik der Menschen ein gesellschaftliches a priori.



Premiere: 20. Januar 2010
Morgen noch hier
Von Viktoria Burkert

Wie spielt man Liebe - wenn es schon vorbei ist oder wenn es noch gar nicht angefangen hat? Wie fühlt es sich an, wenn das Neue gerade beginnt, das Alte aber noch da ist? Um diese Fragen geht es Josephine und Salomon, die sich nach neunjährigem Zusammensein getrennt haben und nun versuchen, aus Fragmenten ihrer gemeinsamen Geschichte ein Theaterstück zu erarbeiten. Hierzu engagieren sie Arthur. Als Salomon sich in Arthur verliebt, freut sich Josephine zunächst für sie, will dann aber nicht mehr mit Arthur zusammenzuarbeiten und stellt Salomon so vor eine schwere Entscheidung.

Mit Thorsten-Kai Botenbender, Gerd Buurmann und Annika Weitershagen.
Inszenierung: Gerd Buurmann.


                                                                                                                         Foto: A. Ruiz Tamayo

Pressestimmen:

"Das Stück berührt. Nicht nur, wenn Kai Botenbender als Arthur lange schweigt und inne hält, bevor er seinen Text spricht. Auch Annika Weitershagen als Josephine und Gerd Buurmann als Salomon beeindrucken, wenn sie schweigend nebeneinander sitzen, während ihnen langsam Tränen in die Augen steigen ... Langes Schweigen, Innehalten, tragische Blicke. Es ist nicht leicht, so viel mit so wenig auszudrücken." (Ananda Grade, AKT Februar 2010)



Premiere: 09. Oktober 2009
Emilia Galotti
Von Gotthold Ephraim Lessing

Im Spannungsfeld zwischen der auf Moral, Zucht und Ordnung setzenden religiös verbrämtem Welt der Ehre, der Biederkeit und kleinbürgerlicher Engstirnigkeiten, im ethischen und kulturellen Kontrast also zu einer genussliebenden, hedonistisch geprägten Welt der Leichtigkeit und Unverbindlichkeit steht die junge Emilia Galotti, die in diesem Konflikt der Werte kaum mehr weiß, wer sie ist oder wer sie sein soll. Schwankend zwischen Gehorsam und Aufbegehren, zwischen rigider Lustfeindlichkeit und den Reizen einer ausgelassenen Libertinage steht sie im Zentrum einer Tragödie der Aufklärung aus dem 18. Jahrhundert, der der heutige kulturelle Konflikt durch Migration und die Problematik des Ehrenmordes Aktualität verleiht.

Mit Janina Schmulder, Thorsten-Kai Botenbender, Janett Bobel, Gerd Buurmann, Mattis Nolte und Susan Klaffer.
Inszenierung: Burkhard Schmiester. Bühnenbild: Burkhard Schmiester. Kostüme: Ursula Braun. Regieassistentin: Colleen Yorke.


                                                                Foto: B. Schmiester

Pressestimmen:

"Emilia Galotti im Taumel der Lust
Über 230 Jahre ist es bereits her, dass Gotthold Ephraim Lessing die Geschichte der "Emilia Galotti" veröffentlichte. Dass diese mitnichten angestaubt und veraltet ist, zeigt das Severins Burg Theater in einer modernen Version des Dramas.
Offensichtlich ist es nicht Emilia Galotti, die in diesem literarischen Klassiker nach Ansicht des kleinen Theaters in der Südstadt im Mittelpunkt steht, sondern der Prinz von Guastalla, Hettore Gonzaga genannt und von schleimiger, aufdringlicher Natur. In einen weißen Anzug gekleidet, der Blick auf die Brustbehaarung freigegeben, tanzt dieser zu Beginn des Stückes mit wilden Gebärden zu dem 80er Jahre Hit "Kiss" von Prince über die nur mit einer selbst gebauten Regalkonstruktion ausgestatteten Bühne und feiert sich selbst. Es ist dann auch der Prinz, der die Handlung bestimmt: Auf die schüchterne Bürgerstochter Emilia Galotti hat er ein Auge geworfen, sie soll ihm gehören. Blöd nur, dass diese sich bereits mit dem Grafen Appiani auf dem Weg zum Traualtar befindet. In einem Strudel aus Begierde und Träumen gefangen und unfähig zu eigenem Handeln lässt Gonzaga daraufhin seinem Kammerdiener Marinelli freie Hand, ihm das schöne Mädchen zu beschaffen. Dieser lässt Appiani auf dem Weg zur Kirche kurzerhand töten, Emilia entführen und auf das Schloss des Prinzen bringen. Doch das Liebesglück des Herrschers ist nur von kurzer Dauer: Wutentbrannt und auf Rache gestimmt stürmt Odoardo - hier nicht Vater, sondern Bruder der Emilia - das Lustschloss und ersticht seine Schwester um die Familienehre zu retten. Unweigerlich tauchen an dieser Stelle bedrückende Schlagzeilen zu aktuellen Ehrenmorden vor dem inneren Auge auf - politisch zurückhaltend wird seitens des Theaters jedoch nicht näher darauf eingegangen. [...] Gerd Buurmann als schmieriger, lüsterner Prinz schlüpft mit gewohntem Enthusiasmus in seine Rolle wie in ein maßgeschneidertes Kostüm.Genial begleitet von Mattis Nolte als hinterhältiger, überdrehter Marinelli in Hochwasserhosen ziehen die beiden jegliche Aufmerksamkeit auf sich. Vielleicht auch deshalb bleibt Janina Schmulder, als stark erotisierte Kindsfrau Emilia eigentlich mit der Hauptrolle bedacht, leider etwas zu blass im Hintergrund zurück."



Aktuelle Termine im April 2010: Freitag, 09.04., Sonntag, 11.04.; jeweils um 20 Uhr:

Premiere: 28. August 2009
Der letzte der feurigen Liebhaber
Von Neil Simon

"Der letzte der feurigen Liebhaber" ist eine zündende Komödie mit nachdenklichen Zwischentönen, mal bissig, mal melancholisch und zeigt den Menschen als stets nach Glück und Schönheit suchendem Wesen. Gerade dies macht die Komödie so umwerfend komisch in seiner Gesellschaftskritik.
Neil Simon hat eine furiose Komödie auf höchstem Niveau geschaffen: mit Witz, Slapstick, Charme, brillanten Dialogen, verrückten Situationen und vor allem einer bescheidenen Moral rund um die große jüdische Weisheit: "Im Antlitz des Anderen erkennst Du Gott!"

Mit Gerd Buurmann und Juliane Ledwoch.

Inszenierung: Ali Jalaly. Bühnenbild: Georg Slobodzian. Regieassistentin: Leili Novi. Dramaturgie: Ulrich Schulz-Hoßfeld. Marketing-PR: Karsten Schönwald. Produktionsmanager: Asghar Nosrati.


                                                                                                                  Foto: Ali Jalaly Ensemble

Pressestimmen:

"Barney ist ein anständiger Kerl. Er raucht nicht, trinkt selten und hat noch nicht einmal erhöhte Temperatur. Genau das aber ist das Problem des braven Ehemanns und treusorgenden Familienvaters: Ihm fehlt das Feuer in seinem unbewegt dahin plätschernden Leben. Barney sieht nur einen Ausweg aus seiner Misere und fasst den Plan, sich nach 23 Ehejahren erstmals in eine leidenschaftliche Affäre zu stürzen. Soweit die Theorie.
Warum sich die Praxis weitaus schwieriger gestalten, zeigt Gerd Buurmann in der neuen Hausproduktion des Severins-Burg-Theaters „Der letzte der feurigen Liebhaber“, einer bissigen Komödie aus der Feder des renommierten New Yorker Dramatikers Neil Simon. Darin interpretiert Theaterchef Buurmann den hypernervösen Neurotiker mit viel Charme und Leidenschaft und schüttelt dabei angenehm unangestrengt sowohl Slapstick- als auch Revue-Einlagen locker aus dem Ärmel.
Regisseur Ali Jalaly inszeniert das Stück so temporeich, dass dem Zuschauer mitunter schwindelig wird. Eine zündende Pointe jagt die nächste, schreiend-komische Dialoge und reichlich Momente voller Situationskomik sorgen für eine wohlige Reizüberflutung.
Das alles könnte kaum funktionieren, wenn die beiden Darsteller nicht so gut harmonieren würden. Bei Buurmann und Juliane Ledwoch aber stimmt die Chemie. Ledwoch beweist bei der Interpretation der drei grundverschiedenen Frauen, mit denen Barney eine heimliche Affäre in der Wohnung seiner pedantischen Mutter anstrebt, extreme Wandlungsfähigkeit. Die in die Jahre gekommene, heißblütige Society-Lady, das paranoide, talentfreie Möchtegern-Starlet oder die depressive Freundin der Ehefrau – sie verkörpert alle Figuren mit viel Authentzität und Liebe zum Detail.
Doch so amüsant die Sinnsuche des sympathisch-überspannten Antihelden auch ist, auf leichte Unterhaltung an der Oberfläche beschränkt sich das Stück nie. Immer wieder blitzt der melancholische Grundton hervor, verursacht ein leichtes Frösteln und wirft eigene Fragen auf. Gibt es ihn, diesen einen Moment, von dem man für alle Tage zehren kann?
So mancher wird sich wiederfinden in diesem Spießbürger, der auf der Suche nach dem Quäntchen „Mehr“ im Leben aus seinem Idyll jenseits des Gartenzauns auszubrechen versucht und doch nicht aus seiner Haut kann.“
(Katharina Hamacher, Kölnische Rundschau, 02. September 2009)

"Neil Simons Komödie analysiert einen Klassiker moderner Beziehungskultur: den Seitensprung … Das Klischee vom 'coolen' Seitensprung ziert sich spröde gegen Verwirklichung. Die Finger stinken nach Fisch, Liebeskatalysatoren wie etwa Zigaretten fehlen, man redet zu viel und aneinander vorbei. So kommt nichts zustande… Beherzter und solide inszenierter Boulevard."
(Kölner Stadtanzeiger, 02. September 2009)

"Ali Jalaly inszenierte mehr als 30 Stücke auf Deutsch. Manche Stücke von ihm, wie „Barfuss nackt Herz in der Hand“, mausern sich zum Dauerbrenner. In Ali Jalalys differenzierter Regie kommen die Geschichten ganz unmittelbar und mit einer bezaubernden Leichtigkeit und mit einfachen Mitteln zum Tragen. Er inszeniert mit viel Gespür für die leisen Töne. Jalaly lässt den Schauspielern sehr viel Raum, um die Charaktere lebendig werden zu lassen. Seine Inszenierungen leben vor allem von der ideenreichen Regie und der Leistung der Schauspieler. Die Premiere war ein einziger Erfolg." (Deutsche Welle, 09. September 2009)



Premiere: 05. Juni 2009
Two Queens
Von Caroline Bliemel

Innerhalb von neun Metern sind Elizabeth I und Mary Stuart beerdigt. Hein, der Vermittler der Welten, weckt die Monarchinnen aus ihrem bittersüßen Schlaf.
Two Queens ist eine Abrechnung mit der Geschichte, in der wir uns spiegeln. Die Historie als Ausgangspunkt nehmend, wird Platz für eigene Assoziationen und Interpretationen geschaffen und die Frage gestellt, was sich in den letzten vierhundert Jahren in Bezug auf Frauen, Macht, Liebe und Sexualität geändert hat. Wir werden verführt, uns in eine (Unter)Welt zu begeben, den Lebensgeschichten zweier Königinnen beizuwohnen und über die Konsequenzen unserer Entscheidungen zu reflektieren.

Mit Mareike Marx, Jutta Dolle und Gerd Buurmann.
Inszenierung: Caroline Bliemel.


                                                                                    Foto: C. Bliemel

Pressestimmen:

"Zwei Königinnen, zwei Frauen, zwei tragische Schicksale im Sog der Macht und erfüllt von der ewigen Sehnsucht nach Liebe und Bestätigung. Zwei Welten kollidieren, wenn die beiden Herrscherinnen aus ihren Gräbern emporsteigen und aufeinandertreffen.
In ihrem Stück 'Two Queens' haucht Caroline Bliemel den beiden außergewöhnlichen Frauengestalten der Geschichte des Vereinigten Königreiches neues Leben ein. Jedoch schickt sie den Zuschauer nicht auf eine Zeitreise in das Goldene Zeitalter der Insel, sondern lässt die Monarchinnen in der Gegenwart präsent werden. Wie im Gerichtssaal sagen die beiden Kontrahentinnen gegeneinander aus, es hagelt Vorwürfe und Anschuldigungen im Mordprozess gegen Elisabeth I (gespielt von Jutta Dolle), die ihrer Base Maria Stuart
(gespielt von Mareike Marx) nicht nur die Zuflucht verweigerte, sondern sie aus Machtgier hinrichten ließ. Maria Stuart wird hingegen der Mangel an Verantwortung und Unzulänglichkeit der Führung des Regierungsamtes angelastet.
In dem fingierten Gerichtsverfahren gibt es keine Anklage, keinen Verteidiger und keinen Richter, der unter dem autoritären Einfluss der Justitia ein gerechtes Urteil fällen müsste. Ein Conférencier leitet den Rechtsstreit. Mit seinem typisch britischen Dandy-Humor moderiert und entfacht er den erbitterten Kampf der Königinnen um das Recht, um die Macht und schließlich um die Gunst eines Mannes aufs Neue.
'Das Theater beginnt mit der Garderobe', sagte einst der russische Novellist Mihail Genin, was sich Caroline Bliemel zu ihrem Leitgedanken macht. Bereits beim Betreten des mittelalterlich anmutenden Theaterhauses Severins-Burg-Theater wird der Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes abgeholt. Vom brillanten Kölner Mimen Gerd Buurmann in seiner Rolle als Hein wird er an die Hand genommen und vertrauensvoll in das Geschehen eingeweiht. Mittels seiner charmanten und über alle Maße galanten Ansprache, die vom sanften Klang einer Frauenstimme aus dem Off begleitet wird, entreißt er den Zuschauer der Realität und entführt ihn in die geheimnisvolle, gar zu verheißende Traumwelt Englands im 16. Jahrhundert.
Ein besonderes Highlight ist die das Bühnenstück einleitende Diskussion über die geschichtlichen Hintergründe der Handlung. Auffallend ist Heins übereifriges Engagement, die Publikumsfragen festzuhalten, um sie nachher offen den beiden Königinnen zu stellen.
Dank Hein erhält das Werk seinen tragikomischen Charakter. Mit seinem unbefangenen Humor lockert er die düstere Geschichte um die rechtmäßige Thronerbin Englands, Maria Stuart, auf, wodurch er nicht nur die Zuschauer erheitert, sondern auch den bereits fast zu Stein gewordenen Monarchinnen ein Lächeln abzugewinnen vermag.
'Two Queens' zieht sein Publikum vor allem durch seinen grotesken Charakter in den Bann. Die überhöhte königliche Sprache vermischt sich mit den wüsten Beschimpfungen der beiden Protagonistinnen, die stolze königliche Körperhaltung wechselt mit eingefallenen Positionen und melancholischen Erinnerungen aus der Blütezeit der Regentschaft der großen Monarchinnen. Das Ringen um die Herrschaft und der brennende Wunsch die andere von der Erdoberfläche verschwinden zu lassen erfahren ihre Kulmination im Gefecht der beiden Rivalinnen. Doch gerade die physische Gegenüberstellung offenbart überraschenderweise eine gegenseitige Widerspiegelung der Erzfeindinnen.
Wie Yin und Yan ergänzen sich Elisabeth und Maria, was Caroline Bliemel in den Kostümen der beiden Königinnen aufgreift. Die Symbiose des Männlichen und des Weiblichen, des Harten und des Weichen, des kühlen Kalküls und der leidenschaftlichen Hingabe verankert die beiden Rivalinnen für immer und ewig in der Geschichte Englands. Es verwundert daher nicht, dass die Grabmäler der beiden Widersacherinnen bloß 9 Metern voneinander entfernt sind.
Unübersehbar wird die Aktualität des Strebens nach Geltung, wodurch der Konflikt der Antipoden die wohl brisanteste Frage des Lebens aufwirft: Wonach sollen wir handeln - Herz oder Verstand?" (Julia Slavina, Koeln.de, 11. Juni 2009)

"Aus dem Todesschlaf geweckt.
Gäbe es die Möglichkeit, Maria Stuart und Elizabeth Tudor aus ihrem über 400-jährigen Todesschlaf zu erwecken, was würden sie uns erzählen? Diese Königinnen und einander verhassten Kusinen, die sich zu Lebzeiten nie begegnet und doch nur neun Meter voneinander entfernt begraben liegen.
Caroline Bliemel inszeniert in 'Two Queens' das postume Zusammentreffen im Severins-Burg-Theater, dessen Foyer schon mit Kerzenschein und Weihrauch eine feierlich-morbide Stimmung aufkommen lässt. Theaterchef Gerd Buurmann führt als düsterer 'Vermittler der Welten' die Zuschauer in die 'Gruft'. Dort, im mit Kerzenschein und welkenden Blumen ebenso simpel wie wirkungsvollinszenierten Kellergewölbe, sitzen sie, die beiden ungleichen Monarchinnen auf ihren marmornen Thronen. Nacheinader erweckt Buurmann (überzeugend als Moderator, Hofnarr und Diener mit komödiantischen Einlagen) sie aus ihrem Todesschlaf: Mareike Marx als sinnlich-süffisante schottische Königin im schwarzen Kleid sinniert gestenreich und leidenschaftlich über ihr ausschweifendes Leben und Lieben. Das schmale blutige Band um ihren Hals zeugt noch von jenem kalten Februarmorgen des Jahres 1587, an dem ihr Kopf bei der 'schönsten Enthauptung, die diese Insel je gesehen hat', auf Befehl Elizabeth I. rollte. Jutta Dolle interpretiert die 'jungfräuliche Königin' im weißen Gewand, die roten Haare streng aus dem kalk-weißen Gesicht gebunden, als würdevolles Paradebeispiel der Selbstdisziplin: hart, bitter und herrisch.
Die unterschiedlichen Perspektiven werfen große Fragen auf nach Macht, Verantwortung und Sinnlichkeit, Gut und Böse und Opfer und Täter. Die Autorin folgt beim Spiel mit der Geschichte den Fakten und lässt doch Platz für eigene Interpretationen. Die kommen auch beim dramatischen Schluss auf: in blutrotes Licht getaucht, umkreisen die Königinnen einander zu dramatischer Musik in einem finalen kriegerischen Tanz - ein tolles Finale mit Gänsehaut-Effekt." (Katharina Hamacher, Kölnische Rundschau, 17.Juni 2009)



Premiere: 27. Mai 2009
Sternenjagd
Von Rumjana Zacharieva

Eine Frau und ein Mann machen sich bereit. Sie sind eingeladen. Sie fahren zu ihren Gastgebern. Sie sind eine Weile da. Unter den anderen Gästen. Dann fahren sie zurück. Nichts besonderes eigentlich. Aber da sind die kulturellen und geschlechtlichen Unterschiede. Etwas geschieht. Immer wieder. Zwischen den Sätzen, den Blicken, den Berührungen. Ein Nahkampf zwischen Weib und Mann, Ost und West. Der 'kleine' weibliche Osten rächt sich an dem großen, pedantischen und besserwisserischen männlichen Westen.

Die Inszenierung basiert auf der Kurzgeschichte "Sternenjagd" von Rumjana Zacharieva.

Mit Anna Brodskaja-Bomke, Sevim Kesbir, Janina Schmulder und Judith Wolf.
Inszenierung: Gerd Buurmann. Dramaturgie: Viktoria Burkert.


                                                                                                                                           Foto: quinn.anya

Pressestimmen:

"Einen 'Nahkampf zwischen Weib und Mann, Ost und West' verspricht die Einladung zu der neuen Inszenierung von Gerd Buurmann im Severins-Burg-Theater. Doch in Runde eins im Theater-Fightclub bekommt der Osten vom Osten erst einmal selbst eins auf die Mütze. Die türkischstämmige Comedy-Autorin Meltem Kaptan beharkt mit urkomischen Seitenhieben die eigene Kultur und erobert so das Herz des Publikums. In Runde zwei steht Bauchtanz mit den Zuschauern auf dem Programm. Dann erst startet das Stück, das auf einer Kurzgeschichte der rumänischen Autorin Rumjana Zacharierva mit dem Titel 'Sternenjagd' beruht. Eine schlichte Handlung versteckt sich hinter dem poetischen Titel. Ein Ehepaar besucht gemeinsam eine Party. Es ist der kleine Unterschied, der Alltägliches zu etwas Besonderem werden lässt: Er ist schnell fertig, sie braucht ewig, um sich anzuziehen. Liegt es am Geschlecht oder an der Kultur? Der deutsche Mann kleidet sich in seinen eingebildeten Glanz der Überlegenheit. Um ihm eins auszuwischen, verrät seine bulgarische Ehefrau nicht, dass er vergessen hat, seine Pantoffeln gegen Straßenschuhe auszutauschen. Erst am Ende des Abends wird sie ihn über dieses Versehen aufklären. Bis dahin befindet sie sich mit anderen prominenten Partygästen, die teilweise literarische Figuren sind, in einem lebhaften Kulturaustausch. Ibsens Nora reist aus Schweden an, Goldonis Eugenia aus Italien, Tschechows Nina aus Russland und die Braut von Lorca aus Spanien. Verschiedene Frauenrollen und verschiedene Kulturen prallen aufeinander. Typisch deutsch werden Probleme gewälzt und Betroffenheit markiert, bis die Bulgarin aufbegehrt: 'Seid ihr bekoppt? Das soll eine Party sein?' Dann wendet sie sich ans Publikum gibt zu, dass sie eigentlich Russin ist und gar nicht singen kann, obwohl sie nun einen russischen Disko-Song zum Besten gibt. Der lebhafte direkte Kontakt mit dem Publikum, der mit wenigen Worten vielsagende Text und die Authentizität der Hauptdarstellerin Anna Bomke machen den Charme des einfallsreichen Theaterabends aus." (Susanne Esch, Kölner Illustrierte, Juli 2009)



Premiere: 22. April 2009
Der elektrische Reiter
Von Heidi von Plato

In einem verlassenen Elektrowerk trifft der Verlorene, heimatlos und ohne Erinnerung, auf Judith, eine junge Aussteigerin. Ihre anfänglich abweisende Haltung schlägt jedoch schnell in mütterliche Gefühle dem unbeholfenen Obdachlosen gegenüber um. In dieser Umgebung begegnet der Verlorene einer rotzigen, minderjährigen Prostituierten, die sich selber Ork nennt. Durch sie lernt er ihren Freund Bomber kennen.
Auf beständiger Suche nach formbarem Fleisch für seine „Gruppe“ sieht Bomber in dem naiven Verlorenen beste Chancen sich einen treuen Adjutanten zu züchten.
Die aufkeimenden Konflikte zwischen den Charakteren ziehen sich zu einer gefährlichen Spirale aus Unsicherheit und Angst immer enger um die Protagonisten. Ein Stück mit hochexplosivem Finale.

Drei Menschen treffen aufeinander, die auf der Suche nach sich selbst sind. Jeder für sich vertritt ein Lebensmodell, das für ihn das einzig Wahre und Richtige ist. Mitten unter ihnen der Verlorene. Er steht im Mittelpunkt eines Kaleidoskops unterschiedlichster Lebensentwürfe und reflektiert diese in seinem naiven Sein.
Wer bist Du? Mit dieser Frage reisen wir durchs Leben, bepackt mit einem Koffer, der bestückt ist mit Dingen aus der Vergangenheit, die uns belasten. Wer würde ihn nicht gerne manchmal loswerden, sein altes Leben einfach stehen lassen und sich selbst einen neuen Namen und damit eine neue Identität geben? Ein anziehender Gedanke, sich einfach neu zu erschaffen und gleichzeitig können wir diese Leere, dieses Nichtssein nicht aushalten.
Der Verlorene, der wie ein naives Kind, auf der Suche nach Halt, Geborgenheit und Orientierung in jeden Lebensentwurf der anderen ein Stück eintaucht, wird zum Objekt der Verführung und Manipulation. Ihn wollen die anderen formen und verändern und merken nicht, dass sie damit gleichzeitig seine Reinheit, Unschuld, Naivität und zum Schluss sogar ihn selbst zerstören.

Mit Julian Silvio Baboi, Mareike Marx, Tobias Novo, Ronja Wiefel.
Inszenierung: Frank Kirchmaier. Dramaturgie: Azizè Flittner.

Eine Koproduktion von theaterneuland und dem Severins-Burg-Theater.

Die Aufführungsrechte liegen beim Suhrkamp Verlag.

Weitere Informationen auf www.theaterneuland.de.


                                                                                        Foto: theaterneuland



Premiere: 25. Februar 2009
Semele
Von Friedrich Schiller

Semele, eine irdische junge Frau und Tochter des Thebanischen Königs Kadmos, ist in Liebe entbrannt. Der oberste Gott Zeus, der ihr in herrlicher Gestalt erschien und sie verführte, hat ihr Herz erobert. Für sie ist er fortan der Inbegriff der Schönheit und Seligkeit, erwartet sie doch obendrein sein Kind. Doch das gemeinsame Treiben bleibt nicht unbeobachtet. Juno, die eifersüchtige Göttergattin, schleicht sich im Hause Kadmos ein und will diesem Techtelmechtel ein Ende bereiten. Sie erscheint Semele in Gestalt ihrer Amme und erzählt ihr, der Geliebte sei gar nicht der, der er vorgibt zu sein. Zeus sei nicht ansehnlich, sondern böse, wütend und zerstörerisch wie Blitz und Donner. Mit List überredet sie Semele, ihren Geliebten zu prüfen, indem sie ihn dazu bewegt, sich ihr in seiner wahren, göttlichen Gestalt zu zeigen. Sie würde erkennen, dass er ein Schwindler und Intigrant ist. Semele ist unsicher und geht auf den Vorschlag ein. Als Zeus erscheint, ist seine Semele nicht seine Semele. Sie lässt ihn abblitzen bis er außer Kontrolle gerät. Er tappt in die von seiner Frau gestellten Falle, offenbart seiner Geliebten seine wahre Gestalt und bringt ihr so mit Blitz und Donner den Tod. Der Plan von Juno geht auf, die Rivalin ist besiegt, der Gatte gestraft. Bleibt nur die Frage: Macht das irgendjemand glücklich?

Mit Ania Niedieck, Franziska Lehmann, Gerd Buurmann und Manuel Depryck.
Inszenierung: Susan Klaffer.


Ania Niedieck als Semele
                                                                                                                        Foto: G. Buurmann

Pressestimmen:

"Theben sucht den Superstar. Schiller-Frühwerk mal urkomisch
Das geht zu weit! Göttervater Zeus hat schon wieder eine Neue! Zeus' eifersüchtige Gattin Hera hat eine intrigante Idee: Sie nähert sich der thebanischen Königstochter Semele in Gestalt von deren Amme und redet ihr ein, von Zeus zu verlangen, dass er sich das nächste Mal in seiner wahren Gestalt (mit Blitz und Donner) zeigen solle. Das tut er und Semele verbrennt. Ihr Kind Dionysos trägt Zeus in seinem Schenkel aus - ein Gott kann das.
Soweit die griechische Mythologie, die der 21-jährige Friedrich Schiller 1780 in einem Zweiakter verarbeitete. Die junge Regisseurin Susan Klaffer rückt dem Antiken-Schwulst des Früh-Stücks im Severins-Burg-Theater mit erfrischender Unbekümmertheit und vielen originellen Einfällen zu Leibe. Geschickt vermischen sich in der kurzweiligen Inszenierung dichterisches Pathos und verknappte Alltagssprache. Die in Pink gehaltene Bühne dominiert ein riesiger Thronsessel.
Gerd Buurmann steigt als Zeus im weißen Anzug wie ein Popstar aus der Decke herab und entpuppt sich als wahres Naturereignis - eine hinreißend komische Figur mit akrobatischem Elan, der sich noch im kopfüber gesprochenen Monolog behauptet.
Ania Niedieck im rosa Umstands-Hängerchen gibt überzeugend die tändelnde Irdische. Auch der geschmeidigen Franziska Lehmann wird als Hera einiges abverlangt, bevor sie ihren geilen Göttergatten zum Pantoffelhelden zurückstutzen kann. Ein Sonderlob für den tollen Soundtrack!"
(Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau, 27. Februar 2009)

"Sinnliche Sicht auf ein Jugendwerk.
Die Inszenierung birgt griffige Details: Zeus’ Blick in den Hades, in die Hölle, ist der Blick in einen aufklappten Koffer als Anspielung auf einen Laptop. Ein Spiegel wird immer wieder zur möglichen Übergangsstelle zwischen göttlicher und menschlicher Welt, respektive aktueller und Traumwelt. Hier grüßt die Psychoanalyse. Und nicht zuletzt liefern zwei Musiker mit Quetschkommode, Gitarre und Glockenspiel ein Sounddesign, das mal anarchisch dadaistisch, mal hintersinnig psychologisierend begleitet. Die Darsteller ihrerseits nehmen den orgastischen Rhythmus aus Ravels Bolero als Liebescode her, als Klopfzeichen an der Wand. Insgesamt eine geschickte, aktualisierte, von Einfällen nur so sprudelnde Inszenierung, der man das Kompliment ausstellen möchte, dass man sie noch einmal sehen will."
(Peter Backof, Kölner Stadtanzeiger. 03. März 2009)



Premiere: 09. Januar 2009
Der Kaufmann von Venedig
Von William Shakespeare

Bassanio ist in die so extravagante wie extrovertierte Portia verknallt, glaubt aber, sie nur mit Geld erringen zu können, das er dem in ihn verliebten reichen Kaufmann Antonio aus den Rippen zu leiern gedenkt. Der aber, in fragliche Geschäfte und riskante finanzielle Transaktionen verwickelt, darum zur Zeit wenig liquide, rät, bei dem Juden Shylock, auch wenn er den als Wucherer verachtet und dessen Geschäfte missbilligt, einen Kredit aufzunehmen. Als Shylock das Leben des Kaufmanns zum Pfand haben will: „Ein Stück Fleisch, nah dem Herzen!“, sind sowohl der an seine Liebschaft nur denkende Bassanio, wie auch der in diesen vernarrte Antonio bereit, einen solchen Vertrag zu unterschreiben.
In der recht ausgelassenen Atmosphäre einer sich hemmungslos in der Nachtbar BELMONT auslebenden Clique um Bassanio und Portia aber werden solch schicksalhafte Fragen nur flüchtig, in Gier und Geilheit, lachend und albernd entschieden – wie eben auch die philosophische Frage nach dem Wert von Gold, Silber oder Blei, die zum Partyspiel degeneriert. Durch die Oberflächlichkeit, die Unernsthaftigkeit dieser eitel-hedonistisch sich auslebenden Gesellschaft ist jede Rücksicht, jedes wirkliche Interesse und damit jede Achtung vor dem anderen verloren gegangen; im Banne dieses platten Epikureismus und verloren in einer egozentrischen Befangenheit wird die Würde des in diesem K(r)ampf der Eitelkeiten als Gegner ausgemachten Mitmenschen mit Füßen getreten. Trotz aller Gefühligkeit, aufgrund aber seiner eigentlichen Gefühlskälte entwürdigt der junge Lebemann Bassanio den Freund Antonio, im Kampf um die Liebe des jungen Mannes dieser auch jenen und beide entwürdigen Shylock, über dessen Leiche letztlich auch Portia geht. Rundum also herrscht Verachtung – im süßen Mondschein, der auf dem Hügel liegt, verliert sich dann auch noch die letzte Romanze. Keiner hat den anderen erkannt und die traurige Show beginnt von Neuem.
In der Inszenierung von Shakespeares "Kaufmann von Venedig" beschäftigt sich die Regie mit dem Problemen des Außenseitertums, personifiziert in dem Banker Shylock und dem Kaufmann Antonio. Dieser, Außenseiter durch seine homosexuelle Neigungen, und Shylock, als Jude und Pfandleiher zum Außenseiter gemacht, werden in ihren Nöten weniger vor ihrem kulturellen oder religiösen Hintergrund gespiegelt, als dass sie in das Dilemma einer Gesellschaft eingebunden sind, die die Fähigkeit zu kritischer Vernunft und zu vernünftiger Kritik verloren hat, die ins humanitäre Prekariat schlittert. Und die Frage der Alterität im Konflikt zwischen Antonio und Shylock stellt sich diesen beiden Außenseitern in ihrer scheinbar kontroversen, letztlich aber doch sich spiegelnden Lebenseinstellung: in ihrem profan-materialistischen Berufsethos, das als des einen Not dem anderen eine Ehre geworden ist. In den Fokus der Inszenierung gerückt zeigen sich diese Zerr-Spiegelungen des Anderen in einer durch Ignoranz individuell zu verantwortenden, wie als das Produkt aus gesellschaftlichen Befindlichkeiten und Abhängigkeiten zu beklagenden Einsamkeit. Die alleinige Lust auf sich selber nur, die Unlust an Verständnis und wahrer Kommunikation macht den Wolf, der er dem anderen dann ist.
Das vornehmste Thema dieser Inszenierung von Shakespeares Drama um den Kaufmann Antonio und den Juden Shylock ist also nicht die Frage nach dem impliziten oder expliziten Antisemitismus des Stückes oder der Shylock-Figur. Fernab des Seminarismus einer textimmanenten, werktreuen Befragung, fernab aber auch jedes mit Glaubensideologien gefütterter Literatur-Exkurses, jenseits also der in der Rezeptionsgeschichte traditionell in den Mittelpunkt gestellten Frage nach Shylocks Recht auf Rache, nach dessen Schuld und Sühne, interessiert sich diese Inszenierung im Bannkreis der Interessenskollisionen zwischen Liebe und Tod für die strukturelle Anwendbarkeit des dramatischen Geschehens auf heutige gesellschaftliche Gegebenheiten: auf Kommunikationsformen und Ausprägungen des Miteinander durch einen an den Rand der Verzweiflung rührenden Gruppen-Hedonismus auf der einen Seite und der Verzweiflung des Einsamen, der keine Ablenkung mehr kennt, auf der anderen.
Mit diesen Einsichten in eine gesellschaftlich bedingte Aktualität ist der archaische Shakespeare-Stoff zu überschreiben, ein Palimpsest also mag er werden, das seinen atavistischen Hintergrund so wenig leugnet, wie es sich als Spiegel heutiger gesellschaftlicher Zustände beweist: Aus der Fabel vom Antagonismus Christ vs. Jude als Kaufmann von Venedig und Shylock, aus dem Märchen um die edle Portia und ihren Freier Bassanio, aus dem Tändelspiel des Juden Tochter mit dem Venezianer Lorenzo tritt eine hemmungslos sich auslebende Clique hervor, die, sich den Reichtum Antonios zu Nutze machend und mit angemaßter Ehrenhaftigkeit den Pfandleiher und Wucherer Shylock richtend, in ihrer scheinbaren Wohlanständigkeit dekonstruiert wird; und der neue Shylock erweist sich in dieser Konfrontation als unfähig, seine berechtigten Affekte, seine authentischen Gefühle als einen Entwurf der Würde den Entgrenzten gegenüberzustellen, dass letztlich auch er in der Maske eines zermürbten Charakters erstarrt.

Mit Theodor Michael, Gerd Buurmann, Jutta Dolle, Stefan Aretz, Janett Bobel, Mareike Marx, Ania Niedieck, Bertolt Kastner und Nadja Pfeiffer.
Inszenierung: Burkhard Schmiester. Regieassistenz: Caroline Bliemel. Kostüme: Ursula Braun.


Jutta Dolle, Stefan Aretz und Theodor Michael


Jutta Dolle, Gerd Buurmann und Ania Niedieck
                                                                                   Fotos: T. Feltus

Pressestimmen:

"Gelungener "Kaufmann von Venedig" im Severins-Burg-Theater
Es ist keine einfache Aufgabe, einen Klassiker des Altmeisters Shakespeare auf die Bühne zu bringen: Die einen wünschen sich eine werkgetreue Umsetzung des Stoffes, die anderen bevorzugen eine zeitgenössische Interpretation mit modernen Elementen. Die Inszenierung des "Kaufmann von Venedig" schafft es auf wundervolle Weise, beidem gerecht zu werden.
Das kuschelige Wohnzimmertheater in der Südstadt ist bis auf den letzten Platz besetzt, die Atmosphäre entspannt und neugierig. Auf die kleine Bühne tritt eine in ein schwarzes, wallendes Kleid gehüllte Dame und schmettert eine Arie mit einer Stimmgewalt, die überrascht. Schnitt - und wir befinden uns mitten in Venedig, genauer gesagt in einer spartanisch eingerichteten Bar.
Bassanio, leicht cholerisch und aggressiv veranlagter Schönling, ausdrucksstark verkörpert von Stefan Aretz, hat ein Auge auf die reiche und extravagante Portia geworfen. Von der Überzeugung getragen, sie nur mittels Geld für sich interessieren zu können, wendet er sich an den alternden, vom Leben enttäuschten Antonio. Dank dessen latenter Homosexualität und Zuneigung zu Bassanio ist er bereit, einen Kredit bei Shylock - fulminant gespielt von Gerd Buurmann - aufzunehmen.
Shylock willigt ein, fordert jedoch einen ziemlich ungewöhnlichen Schuldschein: Sollte Antonio versäumen, das Geld zur festgelegten Frist zurückzuzahlen, verlangt er ein Pfund Menschenfleisch seines Schuldners. Von seiner Umgebung verachtet und nicht ernst genommen, pocht er hartnäckig auf sein Recht.
Burkhard Schmiester hat es auf gekonnte Weise vollbracht, einen jahrhunderte alten Text in die moderne Zeit zu übertragen, ohne dabei dessen eigentliche Themen in den Hintergrund zu drängen: Misstrauen, Schuldzuweisungen, Oberflächlichkeiten sowie das schöne Schein & Sein sind aktueller denn je. Wer die kleine Portia, gespielt von Jutta Dolle, lasziv und wild in roten Netzstrümpfen über die Bühne hüpfen sieht, allzeit den Spruch "Meine kleine Person ist dieser Welt schon wieder überdrüssig - Ich langweile mich!" auf den Lippen, fühlt sich gar an in den Medien allgegenwärtige Popsternchen erinnert.
Dank der brillianten Besetzung, die mit Enthusiasmus bei der Sache ist und ihre Rollen bis zum letztmöglichen auslebt, besteht keine Gefahr, dass das Stück den moralischen Zeigefinger erhebt oder Langeweile aufkommen lässt. Humorvolle und teilweise leicht klamaukige nebst nachdenklichen Episoden bescheren dem Zuschauer viel mehr einen Theaterabend, wie man ihn sich immer wünscht." (Julia Schmitz, koeln.de, 10. Januar 2009)

"Die jungen und nach dem Ideal ewiger Jugend und Schönheit strebenden Venezianer sind in Partystimmung. Ausgelassen tanzt die jeunesse doree im Saturday Night Fever durch die Bar "Belmont" auf der Suche nach Befriedigung materieller und fleischlicher Gelüste, ohne Rücksicht auf seelische Kollateralschäden.
Burkhard Schmiester betont in seiner sinnlich-bunt ausgestatteten Inszenierung der Shakespeare-Komödie deren ernste Implikationen, ohne streng zu werden oder den Sinn für feinsinnige bis schrille, komische Momente zu verlieren.
Im Mittelpunkt der kühnen, aber gelungenen Aktualisierung des über 400 Jahre alten Stoffes stehen die Zustände in einer intellektuell ausgehöhlten Erlebnisgesellschaft, in der der Titel gebende Händler und der jüdische Pfandleiher Shylock nur noch als randständige Goldesel taugen. Gerd Buurmann spielt den Antagonisten mit großer Geste als Mobbingopfer mit psychopathischen Zügen.“ (Jessica Düster, Kölner Stadtanzeiger, 13. Januar 2009)

"VOM EWIGEN AUßENSEITER - Schrille Spaßgesellschaft um "Den Kaufmann von Venedig"
Das hedonistische Venedig kann überall sein - in New York, Paris oder Köln. Hier wie dort vergnügt sich eine zynische Spaßgesellschaft, die nur dem ultimativen Kick lebt.
Burkhard Schmiesters Idee, für seine Inszenierung von Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" Portias Landsitz Belmont in eine Nachtbar zu verwandeln, in der eine Mezzosopranistin für einen Hauch von Kultur sorgt, ist also durchaus schlüssig.
Über Eck lässt er die maximal ausgenutzte Bühne des Severins-Burg-Theaters bespielen; die Zuschauer sind die Gäste, die vor dem projizierten Hintergrund der "Kölner Lichter" dem unmoralischen Handel zwischen dem Kaufmann Antonio und dem jüdischen Wucherer Shylock beiwohnen. "Theater, Theater" singt Nadja Pfeiffer dazu.
Schrill und überdreht wie auf Ecstasy sind sie alle: die reiche Erbin Portia (Jutta Dolle), ihr Verehrer Bassanio (Stefan Aretz), ihre androgyne Freundin Nerissa (Ania Niedieck), Shylocks sich emanzipierende Tochter Jessica (Mareike Marx) und deren Liebhaber (Bertold Kastner) sowie die aufreizend freche Lotta (Janett Blobel).
Dass sich vor ihren Augen eine Tragödie abspielt, interessiert sie wenig. Und sie wird in der aufgeheizten Atmosphäre des "Belmont" auch nicht recht deutlich. Schmiester möchte die selbstverliebte, genusssüchtige Gesellschaft konfrontieren mit dem Außenseitertum von Antonio und Shylock, den verhassten Geldmenschen, die an ihrer Einsamkeit zerbrechen. Dieser zentrale Aspekt geht im exaltierten Getümmel ein bisschen unter.
Gerd Buurmann spielt den geprellten Shylock mit einer geradezu beängstigend hysterischen Wucht, die selbst das Partyvolk betreten schweigen lässt bei seinem berühmten Monolog ("Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht...?"), ein Ausgegrenzter am Rande des Wahnsinns, von allen gebraucht, doch von niemandem geliebt - eine eindrucksvolle Leistung.
Theodor Michael ist ein würdiger, altersweiser Antonio, den ein juristischer Trick vor dem Verlust des Fleisches bewahrt, das Shylock als Burgschaft für 3000 verliehene Dukaten gefordert hatte.
Das Severins-Burg-Theater ehrt mit dieser Rolle einen Schauspieler, der als Sohn eines "Kolonialmigranten" aus Kamerun Fremdheit am eigenen Leib erfahren musste. Mit der Vorstellung am 14. Januar feiert er in seinen 84.Geburtstag hinein und begeht zugleich sein 60. Bühnenjubiläum (die Rundschau berichtete). Starker Beifall für die lebhaft gegen den Strich gebürstete Aufführung die Alltagsjargon mit Shakespeare-Text kombiniert. (Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau, 13. Januar 2009)



Premiere: 12. November 2008
Der Ansager einer Stripteasenummer gibt nicht auf
Von Bodo Kirchhoff

"Guten Abend, meine Damen und Herren, Sie sehen hier diesen gewöhnlichen Holzstuhl, ja? Dieser gewöhnliche Holzstuhl ist das einzige Requisit für den wohl letzten klassischen Striptease auf deutschem Boden, den anzusagen man sich nicht genieren muß; uns alle erwartet eine Person, die es weder nötig hat, das Datum ihrer Geburt, noch den eigenen Namen zu ändern, die Sie getrost so nennen können, wie ihr Taufschein es vorsieht, nämlich Andrea ... Andreas' Nummer dient einzig und allein Ihrem Vergnügen, während ich einzig und allein der Verbreitung von Andreas' Ruhm diene: Diener einer Dienerin, wie es Andreas' Mutter gern ausdrückt, früher selbst in dem Beruf, eine der Großen des klassischen Striptease, Erfinderin der nackten Pietà und anderer Figuren, jetzt im Privatleben. Natürlich hat Andrea von ihr viel gelernt, zum Beispiel, daß Nacktheit das undurchsichtigste aller Kleider sein kann, aber auch, wie man Publikum warten läßt."

Mit Gerd Buurmann. Inszenierung: Thomas Schrage.

Pressestimmen:

"Buurmann hat durchaus das Potenzial, der tragikomischen Figur des Muttersöhnchens mit der verklemmten Libido gerecht zu werden ... Unter der Regie von Thomas Schrage verzichtet er auf billige Ausstattungselemente und hektischen Aktionismus und legt alle Kraft in die Deklamation." (Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau, 14. November 2008)



Premiere: 04. September 2008 (Nominierung für den Kölner Theaterpreis 2008)
Mit brennender Geduld oder Nerudas Postmann
Von Antonio Skármeta

Das Stück spielt zwischen 1969 und 1973 in einem kleinen Ort an der chilenischen Küste und schildert realistisch und detailliert die politische Wirklichkeit der Zeit. Sowohl die Gefühlswelt Pablo Nerudas, der sich für die emotionalen Nöte seines Briefträgers interessiert, sich als Präsidentschaftskandidat aufstellen lässt und dann als Botschafter seines Landes nach Paris geht, als auch die Gefühle Marios, der als Verliebter sprachlos wird und später selbst zu dichten beginnt, werden in einfachen, eindringen Worten erzählt.

Mit Josef Tratnik, Adam Hildenberg, Marion Mainka und Dunja Dogmani.
Inszenierung: Ali Jalaly. Bühnenbild: A.J. und Georg Slobodzian. Dramaturgie und PR: Ulrich Schulz-Hoßfeld und Karsten Schönwald. Produktionsmanager: Asghar Nosrati. Regieassistentin: Mira Kandathil. Hospitantin: Golritz Ranjbar.


                                                                                                            Foto: Ali Jalaly Ensemble

Pressestimmen:

"In seiner Bearbeitung des Skármeta-Romans bringt der Regisseur mit Fischernetzen und Sand chilenischen Charme auf die Bühne. Zuerst ging die bittersüße Geschichte "Mit brennender Geduld oder Nerudas Postmann" von Antonio Skármeta als Roman um die Welt: Auf einer kleinen chilenischen Insel bittet Mario, Postbote für Pablo Neruda, den großen Lyriker um Hilfe. Er hat sich verliebt - und ihm fehlen die Worte. Der Dichter öffnet dem jungen Mann Ohren und Sinn für Sprache und Poesie. Gegen eine derart befeuerte Leidenschaft kommt nicht einmal die strenge Mutter der Auserwählten an.
Die Zukunft erscheint verheißungsvoll: Ein neuer Präsident fürs Land, Literaturnobelpreis und politische Verantwortung für den Dichter, Familiengründung für Mario. Selbst die Brautmutter ist positiv gestimmt. Dann jedoch die Wende. Die Regierung wird gestürzt, Neruda ist todkrank, Mario gerät in die Fänge der neuen Gewaltherrschaft. Nur die Erinnerung bleibt an vergangenes Glück, an die Kraft der Poesie. Komik, Tragik und lyrische Qualitäten der Vorlage fängt Regisseur Ali Jalaly in seiner Bearbeitung des Skármeta-Romans im Kölner Severins Burg Theater ebenso ein wie die Verflechtung von Politik und Privatem. Das beginnt mit einer Bühne (Ali Jalaly und Georg Slobodzian), die mit Fischernetzen und Sand auf kleinstem Raum eine chilenische Kneipe herbeizaubert und mit Tisch und Stuhl die Gegenwelt des Intellektuellen Neruda etabliert, geht weiter mit einer atmosphärischen Musikauswahl und kommt vor allem durch ein hervorragendes Ensemble zum Tragen. Josef Tratnik als verschmitzt-ironischer Neruda ist ein Meister des funkelnden Dialogs und gönnt sich einen Rest Unnahbarkeit. Zum Publikumsliebling wird Marion Mainka in einer herrlich ambivalenten Rolle als strenge Tugendwächterin. Regisseur Jalaly will mit der Aufführung die Erinnerung an den 11. September 1973 wachhalten, an dem der demokratisch gewählte Präsident Chiles, Salvador Allende, ermordet und das Land in eine Diktatur gestürzt wurde. Womit ließe sich ein Moment des Innehaltens, Bedauerns und der Neuorientierens besser einfordern als mit diesem gelungenen Theaterabend? Begeisterter Premierenapplaus." (Susanne Finken, Kölner Stadtanzeiger, 04. September 2008)



02. September 2009
Don Juan trifft Amor
Eine Collage von Susan Klaffer

Ein himmlisches Spiel um die verlorene Seele des Herrn Don Juan, oder was passiert, wenn Amors Pfeil trifft? Es ist eine Collage aus Texten verschiedener Klassiker, die am Ende doch den unliebsamen Gedanken aufkommen lässt. Tragisch-komisch, lässt es keine Fragen offen - oder doch? Ist Don Juan nicht in uns allen?

Mit Jana Klimscha, Philipp Maurer, Maike Grimm, Violina Oestereicher und Wolfgang Ivens.
Inszenierung: Susan Klaffer. Regieassistenz: Violina Oestereicher. Layout & Fotografie: Thomas Grimm, www.grimedia.de.


                                                                                                                                       Foto: T. Grimm




Premiere: 11. Juli 2008
Is it still day?
Tryptichon von Samuel Beckett: Catastrophe. Footfalls. Rough for Theatre I

Mitglieder der Kölner Theatergruppe Port in Air zeigen drei selten gespielte Stücke von Samuel Beckett.
In "Catastrophe" demontiert ein despotischer Regisseur seinen Schauspieler bis zur völligen Unselbstständigkeit.
Mit Steve Bonde, Lea Kaiser und Niklas Schulz.
Inszenierung: Astrid Kröse.
"Footfalls" zeigt eine sozial isolierte Frau, die nach dem Tod ihrer Mutter in der Rolle der abhängigen Tochter gefangen bleibt.
Mit Julia Freihoff, Sarah Freihoff, Kerstin Rheintal und Carol Laidler.
Inszenierung: Lily McLeish.
"Rough for Theatre I" skizziert die Hassliebe zweier Männer im Angesicht der Leere eines unbestimmbaren Raumes.
Mit Samuel Horn, Tim Mrosek.
Inszenierung: Jochen Molitor.

Weitere Informationen auf www.portinair.com.


                                                                                                                             Foto: R. Franke

Pressestimmen:

"Der erste positive Eindruck: Wie schön, nach all dem poppigen Micky-Maus-Geknödel mal wieder so exzellentes Englisch zu hören. Der zweite: Wie erfreulich, dass sich in Richard Aczels Englisch-Seminar so viele schauspielerische Talente finden. Auf Anhieb hat sich seine 2004 gegründete Theatergruppe "Port in Air" ihren künstlerischen Stellenwert im Kölner Bühnenleben erobert. Mit den Stücken des britischen Literatur-Dozenten, Regisseurs und Autors Richard Aczel ("Crying in Public", "Why so all at once at home") wiesen die Darsteller deutlich über die Grenzen des Studententheaters hinaus.
In ihrer jüngsten Arbeit setzen sie sich erstmals mit Samuel Beckett (1906-1989) auseinander. An drei Abenden zeigten zehn Studierende im Severins Burg Theater unter dem Titel „Is it sitill Day?“ die selten gespielten Kurz-Einakter "Footfalls" (1976), "Catastrophe" (1982) und "Rough for Theatre I" (späte 1950er Jahre), diesmal nicht unter der Regie ihres Mentors, sondern aus den eigenen Reihen inszeniert.
Klammer der drei Stücke ist, wie meist bei Beckett, die Entpersönlichung menschlicher Existenzen, die sich immer mehr dem Nichts annähern. Die Hauptfiguren sind geistige Geschwister von Wladimir und Estragon, von Hamm und Clov, Winnie und Willie – Variationen voneinander abhängiger Paare.
Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. In „Footfalls“ ist es die Mutter (Carol Laidler), die auch nach ihrem Tod noch aus dem Off die Tochter dominiert. Die Regisseurin Lily McLeish zerlegt die Tochter in drei verschiedene Persönlichkeiten (Julia Freihoff, Sarah Freihoff, Kerstin Reinthal), die in exakten Choreografien und synchron gesprochenen Texten den gleichen schematischen Reglements folgen – eine sinnfällige Studie der Unmöglichkeit eines Ausbruchs.
In „Catastrophe“ lässt ein zynischer Regisseur (Niklas Schulz) seinen (stummen) Schaupieler (Steve Bonde) in entwürdigender Pose erstarren, unterstützt von seiner willfährigen Assistentin (Lea Kaiser) – ein von Astrid Kröse pointiert inszeniertes Sinnbild menschlicher Entäußerung und ironischer Seitenhieb auf die Absurditäten des Regietheaters.
Schließlich „Rough for Theatre“, die Beckett-klassische Konstellation des Blinden und des Lahmen, die einander in Hassliebe verbunden sind und für die die Frage „Is it still Day?“ („Ist es noch Tag?“) nur noch eine rhetorische Rolle spielt. Regisseur Jochen Molitor kann sich hier auf zwei besonders starke Darsteller, Samuel Horn und Tim Mrosek, stützen. Eine kluge Lichtregie macht den Abend zudem zu einem Erlebnis, das man sich noch öfter zu sehen wünscht." (Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau, 23. Juli 2008)



Premiere: 02. Juli 2008
Gehirne am Strand
Ein Stück Urlaub von Gerd Buurmann

Sarah und Christian, ein junges Paar aus Deutschland, machen Urlaub auf Neuseeland und treffen dort auf die Schwestern Beate und Eva. Seit einem Unfall leidet die 20-jährige Eva an einer Teilamnesie: sie hält sich immer noch für das Mädchen, das sie vor dem Unfall war und das am Strand von Neuseeland verzweifelt ihren Hund suchte, während sie alles, was ihr gegenwärtig widerfährt, innerhalb weniger Minuten wieder vergisst. Christian ist fasziniert von Evas Zustand und gemeinsam mit Sarah stellt er Evas Vergesslichkeit in einem grausamen Spiel auf die Probe.

Mit Ania Niedieck, Markus Peters, Mareike Marx, Caroline Bruhn und Manuel Deprijck.
Inszenierung: Gerd Buurmann. Dramaturgie: Viktoria Burkert.


Markus Peter und Ania Niedieck
                                                                                                                           Foto: R. Franke

Pressestimmen:

"Die erste Szene wirkt fast unwirklich perfekt: Ein junges, attraktives Paar räkelt sich auf schicken Liegestühlen am weißen Sandstrand, füttert sich genüsslich mit Fruchtgummi und streicht sich ab und zu gegenseitig über die gebräunten Körper. Gerade dieser klischeehafte Auftakt des neuen Stücks „Gehirne am Strand“ von Gerd Buurmann, das am Mittwoch im Severins-Burg-Theater Premiere feierte, schafft eine seltsam angespannte Gewitterstimmung – irgendwo droht ein zerstörerisches Unwetter.
Buurmann verwandelt die kleine Bühne in einen echten Sandstrand, warm strahlt das Licht darauf. Popmusik sorgt für unbeschwertes Urlaubsflair. Die ersten Wolken ziehen am neuseeländischen Himmel auf, als das Pärchen – Sarah (Ania Niedieck) und Christian (Markus Peters) aus Köln, die ihren ersten gemeinsamen Urlaub verbringen – zwei Schwestern kennenlernen, die seit dem Unfalltod der Eltern vor zehn Jahren hier leben.
Beate (Caroline Bruhn) kümmert sich aufopfernd um die jüngere Eva (Mareike Marx spielt die infantile Rolle herausragend), die seit einem Unfall an einer Teilamnesie leidet. Eva fühlt sich immer noch als das zehnjährige Mädchen, das am Urlaubsstrand verzweifelt nach ihrem Hund sucht, aber alles vergisst, was ihr gegenwärtig widerfährt. „Wir sind zwei Fremde am Strand“, sagt Sarah bei ihrer ersten Begegnung mit Beate. Diese Anonymität schafft Platz für intime Geständnisse. Als Christian von Evas Amnesie erfährt, erwacht eine beinahe perverse Faszination in ihm, die sich in zerstörerische Machtgier steigert. Er beginnt, Evas Gedächtnis in anfänglich geschmacklosen Scherzen auf die Probe zu stellen, bis sich Sarah schockiert von ihm abwendet. Genau das ist der Punkt an dem die Geschichte kippt, das Gewitter ausbricht und nichts hinterlässt als Zerstörung. Christians seelische Grausamkeit gipfelt in einen Ausbruch körperlicher Gewalt gegenüber Eva. Dass Buurmann den Übergriff nur andeutet, verstärkt die Wirkung. Mit knappen Dialogen zeigt Buurmann den Untergang einer äußerlich heilen, unter der Oberfläche jedoch maroden Beziehung. Am Abend vor der Abreise treffen sich Sarah und Christian wieder. Was bleibt sind „zwei Fremde am Strand“. (Katharina Hamacher, Kölnische Rundschau, 04. Juli 2008)

"Gedächtnisverlust und der schwerste Papagei der Welt, die Abgründe des menschlichen Geistes und die Vorzüge männlicher Beschneidung: Auseinanderstrebende Themen bindet Gerd Buurmanns "Gehirne am Strand" zu einem mal derben, mal erstaunlich feinsinnigen Stück zusammen." (Kölner Stadtanzeiger, 07. Juli 2008)

"Buurmann inszeniert sein Stück im Severins-Burg-Theater geradlinig und effektiv." (Kölner Stadtanzeiger, 07. Juli 2008)

"Ania Niedieck verleiht mit natürlicher Präsenz ihrer Sarah eine seelische Tiefe, die über das bloße Spiel hinausweist." (Kölner Stadtanzeiger, 07. Juli 2008)



Premiere: 13. Juni 2008
Halloween. Der Abend vor Allerheiligen
Ein gruseliger Spaß von Joseph Vicaire

Die Verbindung von Horror und Theater ist ungewöhnlich, denn bislang war das Horrorgenre fast ausschließlich auf den Film konzentriert. Der Film bietet mit seinen Schnittmethoden und spezial effects einfach ganz besondere Möglichkeiten, um Horror zu produzieren. Das Theater scheint dafür nicht der rechte Ort zu sein.
Joseph Vicaire zeigt, dass dies nur scheinbar so ist. Seine Inszenierung von „Halloween. Die Nacht vor Allerheiligen“ wird mit den klassischen Methoden des Theaters Horror auf die Bühne des Severins-Burg-Theaters bringen, denn die Frage nach Gut und Böse war schließlich schon immer das Leitmotiv jeden Dramas.

Mit Bertolt Kastner, Elisabeth Pless, Ralf Müller, Franziska Lehmann, Janina Burgmer, Denis Salamon und Georg Bütow als Mike Myers.
Text und Inszenierung: Joseph Vicaire.


                                                                                                                       Foto: K. Mühlhaus



Premiere: 08. März 2008
Dona Rosita bleibt ledig oder Die Sprache der Blumen
Von Federico Garcia Lorca

War der zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs von den Faschisten ermordete Federico García Lorca wirklich der andalusische Folklore-Dichter, als der er zumeist auf den deutschen Bühne rezipiert wird?
War Lorca nicht eher der bittere Kritiker eines Kleinbürgertums, das die schönsten Träume, Wünsche und Sehnsüchte, die allerdings ein wahres Leben hätten ausmachen können, zernichtet und zerschlägt?
Im Zerrspiegel seiner spezifischen Poesie zeigt Lorca mit einem oft bitteren Humor die zerstörten Sehnsüchte und ihre letzten Japser im Würgegriff der Ignoranz und Dummheit. Und damit weist er weit über seine Zeit und Andalusien hinaus.
Rosita sehnt sich nach Liebe - synonym steht bei Lorca dafür ein Mann. Aber nur das Bild der Begierde ist traditionell und konventionell, Rositas Sehnsucht gilt einem Leben im Wahren.

Mit Juliane Lüttmann, Sabine Henn, Melanie Kleinsorg, Marja Krings, Inka Weinand, Brigitte Oessling und Theodor Michael.
Inszenierung: Burkhard Schmiester.

Pressestimmen:

"Dona Rosita gleicht der zarten Rosa Mutabilis im Gewächshaus ihres Onkels: Morgens blüht sie rot auf, abends wird sie weiß und in der Nacht lässt sie ihre Blätter fallen. Rosita verlobt sich in der Blüte ihrer Jahre mit einem Mann, der sie dann ihr ganzes Leben lang vergeblich auf die Hochzeit warten lässt. Den Prozess vom Knospen der Liebe bis zum langsamen Dahinwelken eines Menschen arbeitet Burkhard Schmiester in seiner Inszenierung von Federico Garcia Lorcas 1935 uraufgeführten Drama deutlich heraus: Was wie eine überdrehte Komödie mit farbenfrohen Kostümen und fröhlichem Gesang und Tanz beginnt und nur wenige melancholische Momente durchscheinen lässt, wird nach der Pause zum Trauerspiel um zerstörte Träume und Kritik an einer Gesellschaft, die Frauen ein solches Schicksal aufbürdet. In der Titelrolle zeigt Marja Krings eine berührende Darstellung, getragen von einem gut aufgelegten Ensemble aus einem Mann und sechs Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs." (Jessica Düster, Kölner Stadtanzeiger)

"Die kostbare Rose "muta mutabilis" blüht nur einen einzigen Tag. Morgens geht sie blutrot auf, wird in der Mittagssonne hart wie Koralle und verliert in der Nacht, weiß geworden, alle Blätter. In ihr fand Federico Garcia Lorca für sein Stück „Dona Rosita bleibt ledig oder Die Sprache der Blumen“ das Sinnbild für die Waise Rosita, die bei ihrer Tante und dem schrulligen, Blumen züchtenden Onkel aufgewachsen ist. Jahrzehntelang wartet sie auf ihren ausgewanderten Verlobten, der längst eine andere geheiratet hat.
Rosita, die ewige Braut, flüchtet sich in eine Traumwelt. Burkhard Schmiester, der Hausherr des Severins-Burg-Theaters, hat für den ersten Teil seiner Inszenierung gnadenlos die Melancholie der bitteren Romanze über Bord geworfen und ein schrilles Panoptikum grotesker Figuren im Granada um 1900 entworfen – mehr Fellini als Lorca. [...] Nach der Pause entsteht eine Art „Kirschgarten“-Atmosphäre des Niedergangs: Der verstorbene Onkel hat die Familie verarmt zurückgelassen. Wie Zombies bewegen sich die Frauen nun in einem Schattenreich von Trauer und Wahnsinn [...] mit gleich wohl beachtlichen schauspielerischen Leistungen." (Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau)



Premiere: 02. Februar 2008
Eva. Hitlers Geliebte
Monolog einer Eingeweihten von Stefan Kolditz

Mit Eva Braun sitzt plötzlich das deutsche Volk im Führerbunker und muss sich mit sich selbst, mit seiner Verführbarkeit durch den Totalitarismus und mit Adolf Hitler auseinandersetzen. Dieses Auseinandersetzen ist in Deutschland schon immer spannend gewesen: Hier sitzt das deutsche Volk, dort - ganz weit von ihm entfernt - die böse, dunkle Vergangenheit. Doch diesmal sind das Volk und Hitler nicht weit voneinander entfernt, sie sind sich schmerzhaft nah. Die Wände des Führerbunkers sind dicht und es gibt kein Entkommen.

Mit Caroline Bruhn.
Inszenierung: Gerd Buurmann. Dramaturgie: Viktoria Burkert.

Pressestimmen:

"Rabenschwarzer Humor, den Caroline Bruhn als Hitlers Geliebte erstklassig auf die Bühne bringt, machen den Monolg zu einem zwar makabren, doch vor allem auch spannenden Theaterstück, das sowohl fesselt als auch nachdenklich stimmt und nicht zuletzt einer Diskussion Aufschwung verleiht, die noch lange nicht abebben sollte." (Kölner Wochenspiegel)



Premiere: 13. November 2007
Schmitze Schäng und dat Gerti
Ein Drama über den Kölner Karneval im Nationalsozialismus von Holger Hegemann

Der Kölner Autor Holger Hegemann spiegelt in seinen zwei Ein-Aktern das Köln der Nazi-Zeit. Der Protagonist Schmitze Schäng redet sich seine Welt, seine Karriere und natürlich den kölschen Karneval zurecht.

Daneben steht dat Gerti vom KKKK, dem Kleinen Kölner Karnevalvereins, der bis 1933 riesige Erfolge verzeichnen konnte. Als aber 1933 das Deutsche Volk mehrheitlich die NSDAP gewählt hatte, war es mit dem KKKK und dat Gerti vorbei. Auf einmal war es nicht mehr wichtig, dass Gerti Kölnerin war. Nun war es viel wichtiger, dass sie Jüdin war.

Mit Nina Oettgen, Thomas Schrage, Annika Weitershagen und Holger Hegemann.
Inszenierung: Gerd Buurmann. Film: Boris Siuda.

Pressestimmen:

"Karneval im Nationalsozialismus: 'Wohin ich gegangen bin, das erzähle ich euch nicht.' Mit diesen Worten verabschiedet sich Nina Oettgen in der Rolle der Gerti von der Bühne, fiktive und reale Figur zugleich. Bühnenautor Holger Hegemann hat nach der Lektüre des Artikels 'Als Narren den Arm zum Hitlergruß hoben' (erschienen am 18. Februar 1993 im Kölner Stadt-Anzeiger) die Erinnerung an die jüdische Büttenrednerin Gertie Ransohoff wiederbelebt. Nach der Machtergreifung der Nazis war sie spurlos verschwunden. Mit dem Drama 'Schmitze Schäng un dat Gerti' [...] beleuchten Hegemann und der Regisseur Gerd Buurmann Episoden im Leben der Karnevalistin und ihres Widerparts, des (frei erfundenen) Schreinermeisters Jean Schmitz. Das Theaterstück in zwei Akten beginnt mit einem Monolog Gertis [...]. In lockerem Ton gibt sie Beklemmendes preis ('Ich war ein kölsches Mädchen - und plötzlich entdeckte ich, dass ich jüdisch war') und berichtet über den jüdischen Kleinen Kölner Karnevals Klub (KKKK). Direkt danach, ohne Pause, tritt Thomas Schrage als Jean Schmitz mit Narrenkappe auf. Völlig arglos berichtet er dem Publikum, wie er 1933 an seine Schreinerei gekommen ist ('Ich habe sie von dem Herrn Kahn - dä wullt noh Palästina, weil häh doh alt Famillich hat'). Dazu erklingt das sentimentale Ostermann-Lied 'Och wat wohr dat fröher schön doch in Colonia'." (Jörk Böhnk, Kölner Stadtanzeiger, 14. November 2007)



Premiere: 11. September 2007
King Lear und seine Töchter
Eine Familien-Tragödie von William Shakespeare

Ein alter Mann verschenkt an seine drei Töchter Hab und Gut, verlangt aber ihre unbedingte Liebe und auch, dass sie ihn in Zukunft aushalten, ihn und viele seiner Freunde. Dieser Big Spender heißt bei Shakespeare KING LEAR – der aber ist so wenig ein wahrer Gönner, wie er sich lediglich die Loyalität seiner Töchter, ihre Unterwerfung und Dienst-barkeit für all seine Launen und Lustbarkeiten zu sichern sucht.
Die Tragödie KING LEAR aber hat eigentlich schon vor der großen Schenkung begonnen. In den Zeiten nämlich, da dieser König seiner Vaterliebe jeden Altruismus ausgetrieben und in denen er übergriffig und rücksichtslos den Töchtern gegenüber seine sexuelle Potenz ausgelebt hatte.
So lauert in dieser LEAR-Inszenierung die Rücksichts- und Skrupellosigkeit jedoch auch unserer Zeit, in der Liebe allzu oft gewalttätiger Egoismus nur ist und sexuelle Gewalt der neuer, perverser Hedonismus.

Mit Theodor Michael, Gerd Buurmann, Juliane Lüttmann, Marja Krings, Caroline Bruhn, Ursula Michelis, Sabine Putzler und Christopher Pott.
Inszenierung: Burkhard Schmiester. Dramaturgie: Isabel Rohner. Kostüme: Ursula Braun. Technik: Jupp Wagner.

Pressestimmen:

"Eine durchaus gewagte, aber plausible Interpretation, die dem Klassiker frech die Patina abkratzt." (Kölner Stadtanzeiger)



Premiere: 02. Juli 2007
Drinnen
Wenn das Leben eine Bühne ist, verlange ich mehr Licht!
Eine Komödie von Gerd Buurmann

Zwei Menschen finden sich plötzlich herausgerissen aus ihrem Alltag, gefangen in einem Raum ohne Türen, ohne Zeit, ohne Ausweg, dafür mit einer Autorin, die ihr Handeln zu schreiben scheint - und plötzlich hemmungslos in das Geschehen eingreift. Wer sind wir? Was tun wir? Und was tun, wenn man plötzlich drinnen ist?

Mit Gerd Buurmann, Annika Weitershagen und Anke Giffhorn.
Inszenierung: Gerd Buurmann. Dramaturgie: Viktoria Burkert. Technik: Martin Cordemann, Viktoria Burkert.

Pressestimmen:

"überaus originelles Theater über das Theater" (Kölner Stadtanzeiger)



Premiere: 11. Juni 2007
Mutterliebe
Ein kleines böses Märchen von August Strindberg

Mutterliebe - in unserer Gesellschaft wird sie bisweilen idealisiert. Oder sie findet nicht mehr statt: Kinder verwahrlosen, sterben. Bei Strindberg ist die Mutterliebe in der "Mutterliebe" sicherlich unter dem Aspekt des eher Grausamen zu finden. So wandte sich - aus gegebenen Anlässen - die Inszenierung den aktuellen Grausamkeiten in der heutigen Mutterliebe zu.

Mit Marion Minetti, Kristina Günther-Vieweg, Carmen Senegasnic und Gerd Buurmann.
Inszenierung: Burkhard Schmiester.

Pressestimmen:

"Traum vom verkrüppelten Weib. Giftig: Burkhard Schmiester inszeniert Strindbergs Mutterliebe. Die Mutter Amelie (Marion Minetti als schriller Dragoner) hält ihre Tochter Helene in totaler Unmündigkeit. Die anrührende Kristina Günther-Vieweg verleiht der einsamen, liebeshungrigen Kindfrau alle Facetten bis hin zur verzweifelten Anstrengung, am Leben teilzuhaben. Den vorenthaltenen Vater hat das Mädchen zum Helden verklärt. Tante Auguste stößt diesen Mythos roh vom Sockel und Helene fast in den Abgrund. Denn nun wird sie zum Sexobjekt diesr zerstörerischen Person, die Gerd Buurmann als lüsternen Faun mit Netzstrümpfen verkörpert - ein bisschen Spaß muss sein in dieser giftigen Farce, die Schmiester überzeugend aus Strindbergs Psycho-Steinbruch formt. Denn einen Ausweg aus der "selbstverschuldeten Unmündigkeit" findet die arme Kleine nicht - "ich möchte keine Emanzipierte werden". Das Weib mit verkrüppeltem Ego - ein Strindbergscher Traum? Herzlicher Beifall." (Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau)

"Der Freak tanzt gleich am Anfang über die Bühne. Über eine Leinwand flimmert ein Film, als plötzlich Tante Augeste die Bühne betritt. Die glatzköpfige "Tante" - fantastisch freakig gespielt von Gerd Buurmann - trägt Nazi-Mantel und Netzstrumpfhose. Und eine falsche Glatze, die sich Buurmann später noch genüsslich vom Kopf reißen wird. So beginnt "Mutterliebe", laut Ankündigung "ein kleines böses Märchen aus unserer Welt". Das Stück von August Strindberg wird selten gespielt. In "Mutterliebe" geht es um die pathologische Beziehung zwischen einer Mutter und ihrer Tochter Helene. Die Mutter schirmt Helene von der Außenwelt ab, lässt sie nicht heraus aus der eigenen Welt, die in der Kölner Inszenierung recht bizarr bebildert ist. Als der Vater, von dem Helene bisher nichts wusste, über eine Tochter aus zweiter Ehe Kontakt zu seiner Tochter aufnehmen will, zieht die Mutter (dominant: Marion Minetti) alle Register der Manipulation. Am Ende gelingt es Helene trotz aller Versuche nicht, die Fesseln zu sprechen. "Dafür kann man nichts, wer die Eltern sind", sagt sie. Wie schwer ist es, aus der Hölle der Unmündigkeit zu entkommen, darum geht es in "Mutterliebe". Teilweise starke Bilder findet Regisseur Burkhard Schmiester für diese Abhängigkeit. Aber am Ende bleibt der Eindruck, doch keinen vermeintlichen "bösen" Beitrag zur Mutter-Debatte gesehen zu haben. Sondern nur eine möglichst schockige Freakshow der Gefühle." (Michael Aust, Kölner Stadtanzeiger)



Premiere: 01. Mai 2007
Richard III
Von William Shakespeare

"Die Erde gähnt, die Hölle brennt, die Teufel brüllen, Heil'ge beten, auf dass er schleunig werde weggerafft. Vernichte, lieber Gott, ich fleh dich an, den Pfandschein seines Lebens, dass ich noch dies Wort erleben mag: der Hund ist tot!"

Mit Kristina Günther-Vieweg, Heike Behrendt, Caroline Bruhn, Elisabeth Emmanouil, Anna Scholten.
Inszenierung: Gerd Buurmann.

Pressestimmen:

"Kristina Günther-Vieweg ... gelingt ein beängstigend charismatischer Psychopath" (Kölner Stadtanzeiger, 03. Mai 2007)



Aktuelle Termine im November und Dezember 2010: Freitag, 12.11., Samstag, 13.11., Sonntag, 14.11., Donnerstag, 02.12., Freitag, 03.12., Sonntag, 05.12., jeweils um 20 Uhr
Premiere: 01. Januar 2007
Deutschland. Ein Wintermärchen
Von Heinrich Heine

Tobias Weber und Gerd Buurmann nehmen das Publikum mit auf eine schauspielerische Reise durch Deutschland und verbinden dies mit Filmsequenzen der besonderen Art: gemeinsam mit ihrem Kameramann Martin Koddenberg sind sie für ihre Recherchen die reale Deutschlandreise Heines nachgereist und haben Menschen in Unna, Hagen, Minden, Hannover und Hamburg dazu gebracht, Heines Verse, die sich mit diesen Städten befassen, für die Kamera vorzulesen. Ein Augen- und Ohrenschmaus!

Mit Gerd Buurmann, Tobias Weber, Kristina Günther-Vieweg, Mareike Marx, Annika Weitershagen.
Inszenierung: Gerd Buurmann und Tobias Weber. Musik: Bernd Schaumann. Kostüme: Iris Zimmermann. Technik: Martin Cordemann, Viktoria Burkert.


Tobias Weber und Gerd Buurmann
                                                                                                                           Foto: W. Weimer

Pressestimmen:

"Mit Heine quer durch Deutschland. Als lustvolles Spiel mit der deutschen Sprache wird das Versepos inszeniert." (Kölner Stadtanzeiger)

"Die Neujahrspremiere fiel opulent aus: Heinrich Heines monumentales Versepos "Deutschland. Ein Wintermärchen" - ungekürzt - als inszeniertes Gedicht, eine Aufführung des 163 Jahre alten, von der damals üblichen Zensur unberührten Originals. Der Text offenbart einen am oberen Ende seiner Sprachmacht angekommenen Heine, den eine Reise von Aachen nach Hamburg, nachdem er 13 Jahre nicht im Lande war, zu einem emotionalen Ausbruch inspiriert. Einem immergleichen formalen Modell folgend, holpert und poltert diese Politsatire durch das damals in 36 Einzelstaaten zerfallene Deutschland.
Nur: Satire lebt von der Tagesaktualität. Fügung der Geschichte, dass damals wie heute die schwarz-rot-goldene Flagge als Symbol in Patriotismusdebatten herhält. Doch damit hat es sich auch ein wenig mit der Zeitlosigkeit: Viele Details sind inzwischen dem kulturellen Gedächtnis Deutschlands entflogen. Wie will da die dramatische Fassung des "Wintermärchens" mit Gerd Buurmann, Tobias Weber und Kristina Günther-Vieweg 163 Jahre alte Pointen zum Zünden bringen?
Sie lösen die Aufgabe klug. Sie lassen Heines Text so bestehen, wie er ist, in seinem hymnischen Ton, der stellenweise über sich selbst stolpert, als lustvolles Spiel mit der deutschen Sprache - und fügen andere, aktuelle, mitunter auch alberne Versatzstücke hinzu. Nicht zuletzt - als Film zu sehen - ein Verfolgen von Heines Route, heute, mit dem Auto. Passanten auf der Straße werden gebeten, aus dem "Wintermärchen" zu lesen.
Solche Ideen konterkarieren Heine, ohne ihn demontieren zu wollen. Sie erfüllen die Funktion der verloren gegangenen Aktualität. Und sorgen so für einen kurzweiligen Theaterabend." (Peter Backof, Kölner Stadtanzeiger, 03. Januar 2007)

"Bei Buurmann und Weber wird Heines Deutschlandreise zu einer einzigen Bühnensause." (Kölnische Rundschau)