des Severins-Burg-Theaters
2007 bis Februar 2011
(Das Theater wurde im Februar 2011 von Mareike Marx übernommen und heißt seitdem Metropol-Theater.)
La Traviata
oder Die Kameliendame
nach Giuseppe Verdi und Alexandre Dumas d.J.
Inszenierung: Burkhard Schmiester / Premiere: 14. Januar 2011

Das Theater ist geschlossen. Ist es Nacht oder fehlten die Subventionen? Doch Backstage gibt es noch Leben. Wir erkennen Flora, die unvermeidliche Diva, und dann erscheint auch Gaston, der ewigeKomiker.
Und Floras und Gastons Launen schlagen Kapriolen: sie erobern die Bühne und kreieren eine Liebesgeschichte, deren Material sie sich übermütig bei Verdi und Dumas ausleihen und deren Personen sie aus den Kulissen zerren, bis sie singen. Flora haut in die Tasten, und der Provinzler Alfredo fällt in Liebe zur Kurtisane Violetta – der durchtriebene Gaston aber durchkreuzt diese Mesalliance und bringt als Alfredos Bruder Giorgio die Familienehre ins Spiel – ein tückischer Ausflug in die Kontroversen unserer Multikulti-Gesellschaft ...
Einer bunt-burlesken Commedia dell’arte erwächst Musik, wo die Sprache versagt, und es entsteht ein Genre, das keine Grenzen kennt und vor allem eins ist: Spiel!
Das Theater ist geschlossen? Es lebe das Theater!!!
Mit Rika Eichner (Violetta), Johannes Richter (Alfredo), Claudia Steffan (Flora/Piano) und Gerd Buurmann (Gaston/Germont).

Fotos: Antonio Ruiz Tamayo
KRITIK
Geister und Grandezza
titelt die Kölner Theaterzeitung aKT
„Regisseur
und Dramaturg Burkhard Schmiester hat aus Verdis Oper und ihrer
Vorlage, der Kameliendame von Alexandre Dumas d.J., eine liebevolle und
heitere Collage-Hommage erstellt. Keine Parodie, hier geht es um
richtige Gefühle. Aber mit viel Spaß.
Eine maskierte Comediafigur geistert stets durch die Szene, lädt die Sänger mit Energie auf, stachelt sie auf, befeuert sie, macht sie an: Gerd Buurmann tut dies mit lustvoller Grandezza und großem Einfallsreichtum. Später verwandelt er sich in den Mann, der die Liebe von Violetta und Alfredo hintertreibt. Es ist nicht wie in Verdis Oper der um den Ruf seines Sohnes besorgten Vater, sondern ein Bruder Alfredos, der selbst auf die verführerische Kurtisane scharf ist.
Der Reiz dieser Traviata liegt an der puren Lust am Spiel.
Die von Rika Eichner und dem knuffigen, jungenhaften Tenor Johannes Richter mit viel Gespür gesungenen Arien wirken ohne den Abstand eines Orchestergrabens umwerfend. Die psychologische Feinheit von Verdis Musik kommt ausgezeichnet zur Geltung. Zumal die spiellüsterne Claudia Steffan in rotem Abendkleid nicht nur hinreißend aussieht, sondern auch eine mehr als passable Pianistin ist. Man hört diese Oper anders als in einem großen Haus. Die Sänger müssen nicht forcieren, auch die schlanke Stimme Johannes Richters füllt mühelos das Theater.
Diese Traviata ist ein schönes Schmankerl, erotisch, leicht, enorm unterhaltend. Der Hauch eines italienischen Sommernachtstheaters im Kölner Winter. (Stefan Keim)
Und die Chefredakteurin Dorothea Marcus schrieb in ihrem Edotorial:
"Wieder ist die Entscheidung für die Inszenierung des Monats schwergefallen. Nicht weil es so viele Stücke gab, die in Frage kamen – das war leider nicht der Fall. Sondern, weil zwei absolut grundverschiedene und eigentlich unvergleichliche Inszenierungen auffielen und man sich schwer zwischen ihnen entscheiden konnte. Einmal: die trashig-heitere und doch bravourös gesungenen Traviata im Severins-Burg-Theater. Eigentlich sensationell, wenn sich ein winziges, unsubventioniertes Kellertheater an große Oper macht und aus der zwangsläufigen Verkleinerung auch noch einen speziellen Reiz zieht. Letztlich aber hat und „Maß für Maß“ im Theater im Bauturm noch stärker überzeugt …“ (Dorothea Marcus)
(Anmerkung: der Leiter des Theaters im Bauturm, Gerhard Haag, ist Herausgeber von aKT)
Eine maskierte Comediafigur geistert stets durch die Szene, lädt die Sänger mit Energie auf, stachelt sie auf, befeuert sie, macht sie an: Gerd Buurmann tut dies mit lustvoller Grandezza und großem Einfallsreichtum. Später verwandelt er sich in den Mann, der die Liebe von Violetta und Alfredo hintertreibt. Es ist nicht wie in Verdis Oper der um den Ruf seines Sohnes besorgten Vater, sondern ein Bruder Alfredos, der selbst auf die verführerische Kurtisane scharf ist.
Der Reiz dieser Traviata liegt an der puren Lust am Spiel.
Die von Rika Eichner und dem knuffigen, jungenhaften Tenor Johannes Richter mit viel Gespür gesungenen Arien wirken ohne den Abstand eines Orchestergrabens umwerfend. Die psychologische Feinheit von Verdis Musik kommt ausgezeichnet zur Geltung. Zumal die spiellüsterne Claudia Steffan in rotem Abendkleid nicht nur hinreißend aussieht, sondern auch eine mehr als passable Pianistin ist. Man hört diese Oper anders als in einem großen Haus. Die Sänger müssen nicht forcieren, auch die schlanke Stimme Johannes Richters füllt mühelos das Theater.
Diese Traviata ist ein schönes Schmankerl, erotisch, leicht, enorm unterhaltend. Der Hauch eines italienischen Sommernachtstheaters im Kölner Winter. (Stefan Keim)
Und die Chefredakteurin Dorothea Marcus schrieb in ihrem Edotorial:
"Wieder ist die Entscheidung für die Inszenierung des Monats schwergefallen. Nicht weil es so viele Stücke gab, die in Frage kamen – das war leider nicht der Fall. Sondern, weil zwei absolut grundverschiedene und eigentlich unvergleichliche Inszenierungen auffielen und man sich schwer zwischen ihnen entscheiden konnte. Einmal: die trashig-heitere und doch bravourös gesungenen Traviata im Severins-Burg-Theater. Eigentlich sensationell, wenn sich ein winziges, unsubventioniertes Kellertheater an große Oper macht und aus der zwangsläufigen Verkleinerung auch noch einen speziellen Reiz zieht. Letztlich aber hat und „Maß für Maß“ im Theater im Bauturm noch stärker überzeugt …“ (Dorothea Marcus)
(Anmerkung: der Leiter des Theaters im Bauturm, Gerhard Haag, ist Herausgeber von aKT)
Schnaps statt Schampus
titelt die Kölnische Rundschau:
Gelungenes Wagnis: Severins-Burg-Theater zeigt Verdis Traviata
„Regisseur Burkhard Schmiester unternimmt den tolldreisten Versuch, diesen Schlachtkreuzer als Buddelschiffchen vorzuführen. Mit dem was das Budget hergibt brennt man Schnaps für diejenigen, die sich den Schampus der offiziellen Aufführungen nicht leisten könne oder wollen – nicht ganz so edel, aber eventuell die bessere Dröhnung. Auch die, die sich am Pomp manchmal schwer verdaulicher Bilder überfressen haben, könnten bei Schmiesters scharfem Destillat wieder auf den Geschmack kommen.
Natürlich gibt es hier keine „Traviata“ en miniature, sondern eine freien Nachbau, klamaukig, brachial, zotig. Das Kapital dieser Adaption ist ihre hohe schauspielerische Intensität. Es riecht nach Commedia dell’arte, kurz: nach genau der undomestizierten Kreativität, die großen Häusern vielfach abhanden gekommen ist.
Wer’s gern ein bisschen wild mag, kommt auf seine Kosten."
(KR, 21.1.2011, Johannes Zink)
***
Henryk M. Broder schrieb in seinem Blog:
„Ich war im Severins-Burg-Theater und hab dort eine Aufführung von La Traviata gesehen - mit vier Schauspielern! Das ist so, als würde man Ben Hur mit ein paar Schaukelpferden inszenieren. Aber es war grandios! Witzig, trashig und musikalisch professionell!“
(Henryk M. Broder, www.achgut.de)
***
Der Kölner Stadt-Anzeiger ist wenig interessiert, seine Leser über die kulturellen Initiativen seiner Stadt zu informieren und hat noch immer keinen Berichterstatter in die „Traviata“ geschickt. Es lebe das journalistische Engagement dieser Tageszeitung!
von William Shakespeare
Inszenierung: Burkhard Schmiester / Premiere: 19. Februar 2010
In die Schlacht sind sie gezogen,
sie haben den Sieg errungen, ihrem Big Boss in gegnerischer Phalanx
blutige Bresche geschlagen, nun feiern Bad Mec und Bloody Ben und
erwarten Dank und Belohnung.
Ben jedoch schielt schon wieder zur Gattin des Mec, von diesem schlicht Lady geheißen, und die Lady schielt zurück. Sie ist ihren Mec, der großen Schlachten nur für seinen Boss schlägt, abgekämpft zu Hause hingegen ein Langeweiler ist, leid: seine testosterongefüllte Kommunikations-Brutalität wie seine sie nur gelegentlich in Anspruch nehmenden Vanilla-Sex-Gelüste. Von Ben erwartet sie sich mehr, viel mehr, und den Mec will sie ihm zuliebe abschaffen.
Dem Trunkenen suggeriert sie darum, dass er selber doch Boss sein könne, dass er, Mec, Big Boss werde, wenn er diesen über die Klinge springen lasse. Bad Mec plagen einige Skrupel, dann aber geht er auf die Lady ein – und die triumphiert: Der Mörder, weiß sie, wird gefasst, abgeurteilt werden, und sie wird mit Ben die Freiheit und die Lust genießen – Bloody Ben weiß die Intrigante als den von ihr Verführten auf ihrer Seite.
Als Bad Mec nach blutiger Tat – seinen Big Boss hat er in die Hölle geschickt – den jolly good fellow Ben als Zeuge seiner mörderischen Tat mundtot gemacht wissen will, täuscht die Lady ihm vor, Ben selber ausschalten zu wollen, und, einen weiteren Rauschzustand nutzend, suggeriert sie ihm, nur ein gegen ihn aufziehender Wald und ein von keinem Weib geborener Mann könne ihm, dem neuen Big Boss, gefährlich werden.
In größter Unbekümmertheit, in hemmungslosester Sorglosigkeit aber wird Bad Mec schließlich erfahren, dass er verführt, verraten und betrogen worden ist. Und als der große Wald der tückischen Lady gegen ihn aufzieht und der von keinen Weib geborene Mann, der vor der Zeit aus dem Mutterleib geschnittene Bloody Ben ihn attackieren, begehrt er ein letztes Mal auf: gegen seine Hybris, gegen seinen Machtwillen, gegen seine Vermessenheit, und muss – „In tyrannos!“ – doch sterben.
Mit Gerd Buurmann, Janett Bobel und Thorsten-Kai Botenbender.Ben jedoch schielt schon wieder zur Gattin des Mec, von diesem schlicht Lady geheißen, und die Lady schielt zurück. Sie ist ihren Mec, der großen Schlachten nur für seinen Boss schlägt, abgekämpft zu Hause hingegen ein Langeweiler ist, leid: seine testosterongefüllte Kommunikations-Brutalität wie seine sie nur gelegentlich in Anspruch nehmenden Vanilla-Sex-Gelüste. Von Ben erwartet sie sich mehr, viel mehr, und den Mec will sie ihm zuliebe abschaffen.
Dem Trunkenen suggeriert sie darum, dass er selber doch Boss sein könne, dass er, Mec, Big Boss werde, wenn er diesen über die Klinge springen lasse. Bad Mec plagen einige Skrupel, dann aber geht er auf die Lady ein – und die triumphiert: Der Mörder, weiß sie, wird gefasst, abgeurteilt werden, und sie wird mit Ben die Freiheit und die Lust genießen – Bloody Ben weiß die Intrigante als den von ihr Verführten auf ihrer Seite.
Als Bad Mec nach blutiger Tat – seinen Big Boss hat er in die Hölle geschickt – den jolly good fellow Ben als Zeuge seiner mörderischen Tat mundtot gemacht wissen will, täuscht die Lady ihm vor, Ben selber ausschalten zu wollen, und, einen weiteren Rauschzustand nutzend, suggeriert sie ihm, nur ein gegen ihn aufziehender Wald und ein von keinem Weib geborener Mann könne ihm, dem neuen Big Boss, gefährlich werden.
In größter Unbekümmertheit, in hemmungslosester Sorglosigkeit aber wird Bad Mec schließlich erfahren, dass er verführt, verraten und betrogen worden ist. Und als der große Wald der tückischen Lady gegen ihn aufzieht und der von keinen Weib geborene Mann, der vor der Zeit aus dem Mutterleib geschnittene Bloody Ben ihn attackieren, begehrt er ein letztes Mal auf: gegen seine Hybris, gegen seinen Machtwillen, gegen seine Vermessenheit, und muss – „In tyrannos!“ – doch sterben.

Foto: A. Ruiz Tamayo
Anmerkungen zum "Macbeth"
Die Verführbarkeit des Menschen, sein Wille zur Macht, jenseits von Gewissen und Skrupel: das ist Shakespeares Thema in seinem Drama „Macbeth“, die Hybris eines Großen, der noch größer werden wollte, der aber stürzte, von bösen Mächten, von Hexen verführt. Dass er König werden könne, flüstern die ihm zu, dass er den herrschenden König darum aber morden müsse, nötigt ihn Lady Macbeth.
Und Macbeth mordet: erst den König, dann die Zeugen seiner Tat, all seine Widersacher – seine Freunde fliehen vor ihm. Macbeth wird zum Tyrannen, zum Monster, gegen jede Moral und Ethik versündigt er sich, badet immer tiefer im Blut – bis er, der der Menschenwürde hoffärtig trotzt, tief fällt, es fällt auch sein Kopf ...
Die gnadenlose Hybris des Menschen, seine Gier zur Größe, seine Machtwille aber bleibt in anderen Köpfen, sind Stoff für weitere Tragödien Shakespeares, und wenn Macbeth den Einflüsterungen böser Mächte unterliegt, so z.B. braucht Richard III keine Außerirdischen, er beschließt selber, ein Bösewicht zu werden. Und über Schillers Wallenstein, („Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte? Nicht mehr zurück, wie mir's beliebt? Ich müsste die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht?“) führt der dramatische Weg der Machtgier in die Moderne: unerschöpflich ist den Autoren diese menschliche Schattenseite.
Wenn das Severins-Burg-Theater in der Regie von Burkhard Schmiester Shakespeares „Macbeth“ bearbeitet nun vorzeigt, gilt die Intention der Arbeit sicherlich der Schwäche des Macbeth und seiner Hybris, nicht aber im Kontext der Schlachtfelder, der Krieger und Heerführer einer royalen Hierarchie, es braucht auch keine schottischen Hochmoore und Hexen: die Gier und Gewalt fördernde Atmosphäre sucht diese Inszenierung im Privaten, in den gewissermaßen unter dem Teppich und der Bettdecke lauernden Ängsten, in den Verletzungen aus Gewohnheit und Eitelkeit – in der Psychopathologie des Alltagslebens also. Sichtbar bleiben da nur noch Macbeth, ein Workaholic, die Lady mit ihrem Hausfrauenfrust, Banco, der Freund und Nebenbuhler, ein Gemenge für die daraus entstehenden Affekte bis zu einem die drei verbindenden wie trennenden Trauma zum Tod.
Ohne Hexen ist der Alteritätskonflikt, das Problem des Außenseiters, die Tragik der Menschen ein gesellschaftliches a priori.
Die Verführbarkeit des Menschen, sein Wille zur Macht, jenseits von Gewissen und Skrupel: das ist Shakespeares Thema in seinem Drama „Macbeth“, die Hybris eines Großen, der noch größer werden wollte, der aber stürzte, von bösen Mächten, von Hexen verführt. Dass er König werden könne, flüstern die ihm zu, dass er den herrschenden König darum aber morden müsse, nötigt ihn Lady Macbeth.
Und Macbeth mordet: erst den König, dann die Zeugen seiner Tat, all seine Widersacher – seine Freunde fliehen vor ihm. Macbeth wird zum Tyrannen, zum Monster, gegen jede Moral und Ethik versündigt er sich, badet immer tiefer im Blut – bis er, der der Menschenwürde hoffärtig trotzt, tief fällt, es fällt auch sein Kopf ...
Die gnadenlose Hybris des Menschen, seine Gier zur Größe, seine Machtwille aber bleibt in anderen Köpfen, sind Stoff für weitere Tragödien Shakespeares, und wenn Macbeth den Einflüsterungen böser Mächte unterliegt, so z.B. braucht Richard III keine Außerirdischen, er beschließt selber, ein Bösewicht zu werden. Und über Schillers Wallenstein, („Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte? Nicht mehr zurück, wie mir's beliebt? Ich müsste die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht?“) führt der dramatische Weg der Machtgier in die Moderne: unerschöpflich ist den Autoren diese menschliche Schattenseite.
Wenn das Severins-Burg-Theater in der Regie von Burkhard Schmiester Shakespeares „Macbeth“ bearbeitet nun vorzeigt, gilt die Intention der Arbeit sicherlich der Schwäche des Macbeth und seiner Hybris, nicht aber im Kontext der Schlachtfelder, der Krieger und Heerführer einer royalen Hierarchie, es braucht auch keine schottischen Hochmoore und Hexen: die Gier und Gewalt fördernde Atmosphäre sucht diese Inszenierung im Privaten, in den gewissermaßen unter dem Teppich und der Bettdecke lauernden Ängsten, in den Verletzungen aus Gewohnheit und Eitelkeit – in der Psychopathologie des Alltagslebens also. Sichtbar bleiben da nur noch Macbeth, ein Workaholic, die Lady mit ihrem Hausfrauenfrust, Banco, der Freund und Nebenbuhler, ein Gemenge für die daraus entstehenden Affekte bis zu einem die drei verbindenden wie trennenden Trauma zum Tod.
Ohne Hexen ist der Alteritätskonflikt, das Problem des Außenseiters, die Tragik der Menschen ein gesellschaftliches a priori.
Morgen noch hier
von Viktoria Burkert
Regie: Gerd Buurmann / Premiere: 20. Januar 2010
Wie spielt man Liebe - wenn es schon vorbei ist oder
wenn es noch gar nicht angefangen hat? Wie fühlt es sich an, wenn das Neue
gerade beginnt, das Alte aber noch da ist? Um diese Fragen geht es Josephine
und Salomon, die sich nach neunjährigem Zusammensein getrennt haben und nun
versuchen, aus Fragmenten ihrer gemeinsamen Geschichte ein Theaterstück zu
erarbeiten. Hierzu engagieren sie Arthur. Als Salomon sich in Arthur verliebt,
freut sich Josephine zunächst für sie, will dann aber nicht mehr mit
Arthur zusammenzuarbeiten und stellt Salomon so vor eine schwere Entscheidung.
Mit Thorsten-Kai Botenbender, Gerd Buurmann und Annika Weitershagen.

Mit Thorsten-Kai Botenbender, Gerd Buurmann und Annika Weitershagen.

Foto: A. Ruiz Tamayo
Pressestimmen:
"Das Stück berührt. Nicht nur, wenn Kai Botenbender als Arthur lange schweigt und inne hält, bevor er seinen Text spricht. Auch Annika Weitershagen als Josephine und Gerd Buurmann als Salomon beeindrucken, wenn sie schweigend nebeneinander sitzen, während ihnen langsam Tränen in die Augen steigen ... Langes Schweigen, Innehalten, tragische Blicke. Es ist nicht leicht, so viel mit so wenig auszudrücken." (Ananda Grade, AKT Februar 2010)
Emilia GalottiPressestimmen:
"Das Stück berührt. Nicht nur, wenn Kai Botenbender als Arthur lange schweigt und inne hält, bevor er seinen Text spricht. Auch Annika Weitershagen als Josephine und Gerd Buurmann als Salomon beeindrucken, wenn sie schweigend nebeneinander sitzen, während ihnen langsam Tränen in die Augen steigen ... Langes Schweigen, Innehalten, tragische Blicke. Es ist nicht leicht, so viel mit so wenig auszudrücken." (Ananda Grade, AKT Februar 2010)
von Gotthold Ephraim Lessing
Inszenierung: Burkhard Schmiester / Premiere: 9. Oktober 2009
Im Spannungsfeld zwischen der auf Moral, Zucht und Ordnung setzenden religiös verbrämtem Welt der Ehre, der Biederkeit und kleinbürgerlicher Engstirnigkeiten, im ethischen und kulturellen Kontrast also zu einer genussliebenden, hedonistisch geprägten Welt der Leichtigkeit und Unverbindlichkeit steht die junge Emilia Galotti, die in diesem Konflikt der Werte kaum mehr weiß, wer sie ist oder wer sie sein soll. Schwankend zwischen Gehorsam und Aufbegehren, zwischen rigider Lustfeindlichkeit und den Reizen einer ausgelassenen Libertinage steht sie im Zentrum einer Tragödie der Aufklärung aus dem 18. Jahrhundert, der der heutige kulturelle Konflikt durch Migration und die Problematik des Ehrenmordes Aktualität verleiht.
Mit Janina Schmulder, Thorsten-Kai Botenbender, Janett Bobel, Gerd Buurmann, Mattis Nolte und Susan Klaffer.
Mit Janina Schmulder, Thorsten-Kai Botenbender, Janett Bobel, Gerd Buurmann, Mattis Nolte und Susan Klaffer.
Foto: B. Schmiester
Pressestimmen:
"Emilia Galotti im Taumel der Lust
Über 230 Jahre ist es bereits her, dass Gotthold Ephraim Lessing die Geschichte der "Emilia Galotti" veröffentlichte. Dass diese mitnichten angestaubt und veraltet ist, zeigt das Severins Burg Theater in einer modernen Version des Dramas.
Offensichtlich ist es nicht Emilia Galotti, die in diesem literarischen Klassiker nach Ansicht des kleinen Theaters in der Südstadt im Mittelpunkt steht, sondern der Prinz von Guastalla, Hettore Gonzaga genannt und von schleimiger, aufdringlicher Natur. In einen weißen Anzug gekleidet, der Blick auf die Brustbehaarung freigegeben, tanzt dieser zu Beginn des Stückes mit wilden Gebärden zu dem 80er Jahre Hit "Kiss" von Prince über die nur mit einer selbst gebauten Regalkonstruktion ausgestatteten Bühne und feiert sich selbst. Es ist dann auch der Prinz, der die Handlung bestimmt: Auf die schüchterne Bürgerstochter Emilia Galotti hat er ein Auge geworfen, sie soll ihm gehören. Blöd nur, dass diese sich bereits mit dem Grafen Appiani auf dem Weg zum Traualtar befindet. In einem Strudel aus Begierde und Träumen gefangen und unfähig zu eigenem Handeln lässt Gonzaga daraufhin seinem Kammerdiener Marinelli freie Hand, ihm das schöne Mädchen zu beschaffen. Dieser lässt Appiani auf dem Weg zur Kirche kurzerhand töten, Emilia entführen und auf das Schloss des Prinzen bringen. Doch das Liebesglück des Herrschers ist nur von kurzer Dauer: Wutentbrannt und auf Rache gestimmt stürmt Odoardo - hier nicht Vater, sondern Bruder der Emilia - das Lustschloss und ersticht seine Schwester um die Familienehre zu retten. Unweigerlich tauchen an dieser Stelle bedrückende Schlagzeilen zu aktuellen Ehrenmorden vor dem inneren Auge auf - politisch zurückhaltend wird seitens des Theaters jedoch nicht näher darauf eingegangen. [...] Gerd Buurmann als schmieriger, lüsterner Prinz schlüpft mit gewohntem Enthusiasmus in seine Rolle wie in ein maßgeschneidertes Kostüm.Genial begleitet von Mattis Nolte als hinterhältiger, überdrehter Marinelli in Hochwasserhosen ziehen die beiden jegliche Aufmerksamkeit auf sich. Vielleicht auch deshalb bleibt Janina Schmulder, als stark erotisierte Kindsfrau Emilia eigentlich mit der Hauptrolle bedacht, leider etwas zu blass im Hintergrund zurück."
Über 230 Jahre ist es bereits her, dass Gotthold Ephraim Lessing die Geschichte der "Emilia Galotti" veröffentlichte. Dass diese mitnichten angestaubt und veraltet ist, zeigt das Severins Burg Theater in einer modernen Version des Dramas.
Offensichtlich ist es nicht Emilia Galotti, die in diesem literarischen Klassiker nach Ansicht des kleinen Theaters in der Südstadt im Mittelpunkt steht, sondern der Prinz von Guastalla, Hettore Gonzaga genannt und von schleimiger, aufdringlicher Natur. In einen weißen Anzug gekleidet, der Blick auf die Brustbehaarung freigegeben, tanzt dieser zu Beginn des Stückes mit wilden Gebärden zu dem 80er Jahre Hit "Kiss" von Prince über die nur mit einer selbst gebauten Regalkonstruktion ausgestatteten Bühne und feiert sich selbst. Es ist dann auch der Prinz, der die Handlung bestimmt: Auf die schüchterne Bürgerstochter Emilia Galotti hat er ein Auge geworfen, sie soll ihm gehören. Blöd nur, dass diese sich bereits mit dem Grafen Appiani auf dem Weg zum Traualtar befindet. In einem Strudel aus Begierde und Träumen gefangen und unfähig zu eigenem Handeln lässt Gonzaga daraufhin seinem Kammerdiener Marinelli freie Hand, ihm das schöne Mädchen zu beschaffen. Dieser lässt Appiani auf dem Weg zur Kirche kurzerhand töten, Emilia entführen und auf das Schloss des Prinzen bringen. Doch das Liebesglück des Herrschers ist nur von kurzer Dauer: Wutentbrannt und auf Rache gestimmt stürmt Odoardo - hier nicht Vater, sondern Bruder der Emilia - das Lustschloss und ersticht seine Schwester um die Familienehre zu retten. Unweigerlich tauchen an dieser Stelle bedrückende Schlagzeilen zu aktuellen Ehrenmorden vor dem inneren Auge auf - politisch zurückhaltend wird seitens des Theaters jedoch nicht näher darauf eingegangen. [...] Gerd Buurmann als schmieriger, lüsterner Prinz schlüpft mit gewohntem Enthusiasmus in seine Rolle wie in ein maßgeschneidertes Kostüm.Genial begleitet von Mattis Nolte als hinterhältiger, überdrehter Marinelli in Hochwasserhosen ziehen die beiden jegliche Aufmerksamkeit auf sich. Vielleicht auch deshalb bleibt Janina Schmulder, als stark erotisierte Kindsfrau Emilia eigentlich mit der Hauptrolle bedacht, leider etwas zu blass im Hintergrund zurück."
Der Kaufmann von Venedig
oder Die Kameliendame
von William Shakespeare
Inszenierung: Burkhard Schmiester / Premiere: 9. Januar 2009
Bassanio ist in die so extravagante wie extrovertierte Portia verknallt, glaubt aber, sie nur mit Geld erringen zu können, das er dem in ihn verliebten reichen Kaufmann Antonio aus den Rippen zu leiern gedenkt. Der aber, in fragliche Geschäfte und riskante finanzielle Transaktionen verwickelt, darum zur Zeit wenig liquide, rät, bei dem Juden Shylock, auch wenn er den als Wucherer verachtet und dessen Geschäfte missbilligt, einen Kredit aufzunehmen. Als Shylock das Leben des Kaufmanns zum Pfand haben will: „Ein Stück Fleisch, nah dem Herzen!“, sind sowohl der an seine Liebschaft nur denkende Bassanio, wie auch der in diesen vernarrte Antonio bereit, einen solchen Vertrag zu unterschreiben.
In der recht ausgelassenen Atmosphäre einer sich hemmungslos in der Nachtbar BELMONT auslebenden Clique um Bassanio und Portia aber werden solch schicksalhafte Fragen nur flüchtig, in Gier und Geilheit, lachend und albernd entschieden – wie eben auch die philosophische Frage nach dem Wert von Gold, Silber oder Blei, die zum Partyspiel degeneriert. Durch die Oberflächlichkeit, die Unernsthaftigkeit dieser eitel-hedonistisch sich auslebenden Gesellschaft ist jede Rücksicht, jedes wirkliche Interesse und damit jede Achtung vor dem anderen verloren gegangen; im Banne dieses platten Epikureismus und verloren in einer egozentrischen Befangenheit wird die Würde des in diesem K(r)ampf der Eitelkeiten als Gegner ausgemachten Mitmenschen mit Füßen getreten. Trotz aller Gefühligkeit, aufgrund aber seiner eigentlichen Gefühlskälte entwürdigt der junge Lebemann Bassanio den Freund Antonio, im Kampf um die Liebe des jungen Mannes dieser auch jenen und beide entwürdigen Shylock, über dessen Leiche letztlich auch Portia geht. Rundum also herrscht Verachtung – im süßen Mondschein, der auf dem Hügel liegt, verliert sich dann auch noch die letzte Romanze. Keiner hat den anderen erkannt und die traurige Show beginnt von Neuem.
In der recht ausgelassenen Atmosphäre einer sich hemmungslos in der Nachtbar BELMONT auslebenden Clique um Bassanio und Portia aber werden solch schicksalhafte Fragen nur flüchtig, in Gier und Geilheit, lachend und albernd entschieden – wie eben auch die philosophische Frage nach dem Wert von Gold, Silber oder Blei, die zum Partyspiel degeneriert. Durch die Oberflächlichkeit, die Unernsthaftigkeit dieser eitel-hedonistisch sich auslebenden Gesellschaft ist jede Rücksicht, jedes wirkliche Interesse und damit jede Achtung vor dem anderen verloren gegangen; im Banne dieses platten Epikureismus und verloren in einer egozentrischen Befangenheit wird die Würde des in diesem K(r)ampf der Eitelkeiten als Gegner ausgemachten Mitmenschen mit Füßen getreten. Trotz aller Gefühligkeit, aufgrund aber seiner eigentlichen Gefühlskälte entwürdigt der junge Lebemann Bassanio den Freund Antonio, im Kampf um die Liebe des jungen Mannes dieser auch jenen und beide entwürdigen Shylock, über dessen Leiche letztlich auch Portia geht. Rundum also herrscht Verachtung – im süßen Mondschein, der auf dem Hügel liegt, verliert sich dann auch noch die letzte Romanze. Keiner hat den anderen erkannt und die traurige Show beginnt von Neuem.
In der Inszenierung von Shakespeares "Kaufmann von Venedig" beschäftigt sich die Regie mit dem Problemen des Außenseitertums, personifiziert in dem Banker Shylock und dem Kaufmann Antonio. Dieser, Außenseiter durch seine homosexuelle Neigungen, und Shylock, als Jude und Pfandleiher zum Außenseiter gemacht, werden in ihren Nöten weniger vor ihrem kulturellen oder religiösen Hintergrund gespiegelt, als dass sie in das Dilemma einer Gesellschaft eingebunden sind, die die Fähigkeit zu kritischer Vernunft und zu vernünftiger Kritik verloren hat, die ins humanitäre Prekariat schlittert. Und die Frage der Alterität im Konflikt zwischen Antonio und Shylock stellt sich diesen beiden Außenseitern in ihrer scheinbar kontroversen, letztlich aber doch sich spiegelnden Lebenseinstellung: in ihrem profan-materialistischen Berufsethos, das als des einen Not dem anderen eine Ehre geworden ist. In den Fokus der Inszenierung gerückt zeigen sich diese Zerr-Spiegelungen des Anderen in einer durch Ignoranz individuell zu verantwortenden, wie als das Produkt aus gesellschaftlichen Befindlichkeiten und Abhängigkeiten zu beklagenden Einsamkeit. Die alleinige Lust auf sich selber nur, die Unlust an Verständnis und wahrer Kommunikation macht den Wolf, der er dem anderen dann ist.
Das vornehmste Thema dieser Inszenierung von Shakespeares Drama um den Kaufmann Antonio und den Juden Shylock ist also nicht die Frage nach dem impliziten oder expliziten Antisemitismus des Stückes oder der Shylock-Figur. Fernab des Seminarismus einer textimmanenten, werktreuen Befragung, fernab aber auch jedes mit Glaubensideologien gefütterter Literatur-Exkurses, jenseits also der in der Rezeptionsgeschichte traditionell in den Mittelpunkt gestellten Frage nach Shylocks Recht auf Rache, nach dessen Schuld und Sühne, interessiert sich diese Inszenierung im Bannkreis der Interessenskollisionen zwischen Liebe und Tod für die strukturelle Anwendbarkeit des dramatischen Geschehens auf heutige gesellschaftliche Gegebenheiten: auf Kommunikationsformen und Ausprägungen des Miteinander durch einen an den Rand der Verzweiflung rührenden Gruppen-Hedonismus auf der einen Seite und der Verzweiflung des Einsamen, der keine Ablenkung mehr kennt, auf der anderen.
Mit diesen Einsichten in eine gesellschaftlich bedingte Aktualität ist der archaische Shakespeare-Stoff zu überschreiben, ein Palimpsest also mag er werden, das seinen atavistischen Hintergrund so wenig leugnet, wie es sich als Spiegel heutiger gesellschaftlicher Zustände beweist: Aus der Fabel vom Antagonismus Christ vs. Jude als Kaufmann von Venedig und Shylock, aus dem Märchen um die edle Portia und ihren Freier Bassanio, aus dem Tändelspiel des Juden Tochter mit dem Venezianer Lorenzo tritt eine hemmungslos sich auslebende Clique hervor, die, sich den Reichtum Antonios zu Nutze machend und mit angemaßter Ehrenhaftigkeit den Pfandleiher und Wucherer Shylock richtend, in ihrer scheinbaren Wohlanständigkeit dekonstruiert wird; und der neue Shylock erweist sich in dieser Konfrontation als unfähig, seine berechtigten Affekte, seine authentischen Gefühle als einen Entwurf der Würde den Entgrenzten gegenüberzustellen, dass letztlich auch er in der Maske eines zermürbten Charakters erstarrt.
Mit diesen Einsichten in eine gesellschaftlich bedingte Aktualität ist der archaische Shakespeare-Stoff zu überschreiben, ein Palimpsest also mag er werden, das seinen atavistischen Hintergrund so wenig leugnet, wie es sich als Spiegel heutiger gesellschaftlicher Zustände beweist: Aus der Fabel vom Antagonismus Christ vs. Jude als Kaufmann von Venedig und Shylock, aus dem Märchen um die edle Portia und ihren Freier Bassanio, aus dem Tändelspiel des Juden Tochter mit dem Venezianer Lorenzo tritt eine hemmungslos sich auslebende Clique hervor, die, sich den Reichtum Antonios zu Nutze machend und mit angemaßter Ehrenhaftigkeit den Pfandleiher und Wucherer Shylock richtend, in ihrer scheinbaren Wohlanständigkeit dekonstruiert wird; und der neue Shylock erweist sich in dieser Konfrontation als unfähig, seine berechtigten Affekte, seine authentischen Gefühle als einen Entwurf der Würde den Entgrenzten gegenüberzustellen, dass letztlich auch er in der Maske eines zermürbten Charakters erstarrt.
Mit Theodor Michael, Gerd Buurmann, Jutta Dolle, Stefan Aretz, Janett Bobel, Mareike Marx, Ania Niedieck, Bertolt Kastner und Nadja Pfeiffer.
Regieassistenz: Caroline Bliemel. Kostüme: Ursula Braun.
Regieassistenz: Caroline Bliemel. Kostüme: Ursula Braun.

Jutta Dolle, Stefan Aretz und Theodor Michael

Jutta Dolle, Gerd Buurmann und Ania Niedieck
Fotos: T. Feltus
Pressestimmen:
"Gelungener "Kaufmann von Venedig" im Severins-Burg-Theater
Es ist keine einfache Aufgabe, einen Klassiker des Altmeisters Shakespeare auf die Bühne zu bringen: Die einen wünschen sich eine werkgetreue Umsetzung des Stoffes, die anderen bevorzugen eine zeitgenössische Interpretation mit modernen Elementen. Die Inszenierung des "Kaufmann von Venedig" schafft es auf wundervolle Weise, beidem gerecht zu werden.
Das kuschelige Wohnzimmertheater in der Südstadt ist bis auf den letzten Platz besetzt, die Atmosphäre entspannt und neugierig. Auf die kleine Bühne tritt eine in ein schwarzes, wallendes Kleid gehüllte Dame und schmettert eine Arie mit einer Stimmgewalt, die überrascht. Schnitt - und wir befinden uns mitten in Venedig, genauer gesagt in einer spartanisch eingerichteten Bar.
Bassanio, leicht cholerisch und aggressiv veranlagter Schönling, ausdrucksstark verkörpert von Stefan Aretz, hat ein Auge auf die reiche und extravagante Portia geworfen. Von der Überzeugung getragen, sie nur mittels Geld für sich interessieren zu können, wendet er sich an den alternden, vom Leben enttäuschten Antonio. Dank dessen latenter Homosexualität und Zuneigung zu Bassanio ist er bereit, einen Kredit bei Shylock - fulminant gespielt von Gerd Buurmann - aufzunehmen.
Shylock willigt ein, fordert jedoch einen ziemlich ungewöhnlichen Schuldschein: Sollte Antonio versäumen, das Geld zur festgelegten Frist zurückzuzahlen, verlangt er ein Pfund Menschenfleisch seines Schuldners. Von seiner Umgebung verachtet und nicht ernst genommen, pocht er hartnäckig auf sein Recht.
Burkhard Schmiester hat es auf gekonnte Weise vollbracht, einen jahrhunderte alten Text in die moderne Zeit zu übertragen, ohne dabei dessen eigentliche Themen in den Hintergrund zu drängen: Misstrauen, Schuldzuweisungen, Oberflächlichkeiten sowie das schöne Schein & Sein sind aktueller denn je. Wer die kleine Portia, gespielt von Jutta Dolle, lasziv und wild in roten Netzstrümpfen über die Bühne hüpfen sieht, allzeit den Spruch "Meine kleine Person ist dieser Welt schon wieder überdrüssig - Ich langweile mich!" auf den Lippen, fühlt sich gar an in den Medien allgegenwärtige Popsternchen erinnert.
Dank der brillianten Besetzung, die mit Enthusiasmus bei der Sache ist und ihre Rollen bis zum letztmöglichen auslebt, besteht keine Gefahr, dass das Stück den moralischen Zeigefinger erhebt oder Langeweile aufkommen lässt. Humorvolle und teilweise leicht klamaukige nebst nachdenklichen Episoden bescheren dem Zuschauer viel mehr einen Theaterabend, wie man ihn sich immer wünscht." (Julia Schmitz, koeln.de, 10. Januar 2009)
"Die jungen und nach dem Ideal ewiger Jugend und Schönheit strebenden Venezianer sind in Partystimmung. Ausgelassen tanzt die jeunesse doree im Saturday Night Fever durch die Bar "Belmont" auf der Suche nach Befriedigung materieller und fleischlicher Gelüste, ohne Rücksicht auf seelische Kollateralschäden.
Burkhard Schmiester betont in seiner sinnlich-bunt ausgestatteten Inszenierung der Shakespeare-Komödie deren ernste Implikationen, ohne streng zu werden oder den Sinn für feinsinnige bis schrille, komische Momente zu verlieren.
Im Mittelpunkt der kühnen, aber gelungenen Aktualisierung des über 400 Jahre alten Stoffes stehen die Zustände in einer intellektuell ausgehöhlten Erlebnisgesellschaft, in der der Titel gebende Händler und der jüdische Pfandleiher Shylock nur noch als randständige Goldesel taugen. Gerd Buurmann spielt den Antagonisten mit großer Geste als Mobbingopfer mit psychopathischen Zügen.“ (Jessica Düster, Kölner Stadtanzeiger, 13. Januar 2009)
"VOM EWIGEN AUßENSEITER - Schrille Spaßgesellschaft um "Den Kaufmann von Venedig"
Das hedonistische Venedig kann überall sein - in New York, Paris oder Köln. Hier wie dort vergnügt sich eine zynische Spaßgesellschaft, die nur dem ultimativen Kick lebt.
Burkhard Schmiesters Idee, für seine Inszenierung von Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" Portias Landsitz Belmont in eine Nachtbar zu verwandeln, in der eine Mezzosopranistin für einen Hauch von Kultur sorgt, ist also durchaus schlüssig.
Über Eck lässt er die maximal ausgenutzte Bühne des Severins-Burg-Theaters bespielen; die Zuschauer sind die Gäste, die vor dem projizierten Hintergrund der "Kölner Lichter" dem unmoralischen Handel zwischen dem Kaufmann Antonio und dem jüdischen Wucherer Shylock beiwohnen. "Theater, Theater" singt Nadja Pfeiffer dazu.
Schrill und überdreht wie auf Ecstasy sind sie alle: die reiche Erbin Portia (Jutta Dolle), ihr Verehrer Bassanio (Stefan Aretz), ihre androgyne Freundin Nerissa (Ania Niedieck), Shylocks sich emanzipierende Tochter Jessica (Mareike Marx) und deren Liebhaber (Bertold Kastner) sowie die aufreizend freche Lotta (Janett Blobel).
Dass sich vor ihren Augen eine Tragödie abspielt, interessiert sie wenig. Und sie wird in der aufgeheizten Atmosphäre des "Belmont" auch nicht recht deutlich. Schmiester möchte die selbstverliebte, genusssüchtige Gesellschaft konfrontieren mit dem Außenseitertum von Antonio und Shylock, den verhassten Geldmenschen, die an ihrer Einsamkeit zerbrechen. Dieser zentrale Aspekt geht im exaltierten Getümmel ein bisschen unter.
Gerd Buurmann spielt den geprellten Shylock mit einer geradezu beängstigend hysterischen Wucht, die selbst das Partyvolk betreten schweigen lässt bei seinem berühmten Monolog ("Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht...?"), ein Ausgegrenzter am Rande des Wahnsinns, von allen gebraucht, doch von niemandem geliebt - eine eindrucksvolle Leistung.
Theodor Michael ist ein würdiger, altersweiser Antonio, den ein juristischer Trick vor dem Verlust des Fleisches bewahrt, das Shylock als Burgschaft für 3000 verliehene Dukaten gefordert hatte.
Das Severins-Burg-Theater ehrt mit dieser Rolle einen Schauspieler, der als Sohn eines "Kolonialmigranten" aus Kamerun Fremdheit am eigenen Leib erfahren musste. Mit der Vorstellung am 14. Januar feiert er in seinen 84.Geburtstag hinein und begeht zugleich sein 60. Bühnenjubiläum (die Rundschau berichtete). Starker Beifall für die lebhaft gegen den Strich gebürstete Aufführung die Alltagsjargon mit Shakespeare-Text kombiniert. (Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau, 13. Januar 2009)
Es ist keine einfache Aufgabe, einen Klassiker des Altmeisters Shakespeare auf die Bühne zu bringen: Die einen wünschen sich eine werkgetreue Umsetzung des Stoffes, die anderen bevorzugen eine zeitgenössische Interpretation mit modernen Elementen. Die Inszenierung des "Kaufmann von Venedig" schafft es auf wundervolle Weise, beidem gerecht zu werden.
Das kuschelige Wohnzimmertheater in der Südstadt ist bis auf den letzten Platz besetzt, die Atmosphäre entspannt und neugierig. Auf die kleine Bühne tritt eine in ein schwarzes, wallendes Kleid gehüllte Dame und schmettert eine Arie mit einer Stimmgewalt, die überrascht. Schnitt - und wir befinden uns mitten in Venedig, genauer gesagt in einer spartanisch eingerichteten Bar.
Bassanio, leicht cholerisch und aggressiv veranlagter Schönling, ausdrucksstark verkörpert von Stefan Aretz, hat ein Auge auf die reiche und extravagante Portia geworfen. Von der Überzeugung getragen, sie nur mittels Geld für sich interessieren zu können, wendet er sich an den alternden, vom Leben enttäuschten Antonio. Dank dessen latenter Homosexualität und Zuneigung zu Bassanio ist er bereit, einen Kredit bei Shylock - fulminant gespielt von Gerd Buurmann - aufzunehmen.
Shylock willigt ein, fordert jedoch einen ziemlich ungewöhnlichen Schuldschein: Sollte Antonio versäumen, das Geld zur festgelegten Frist zurückzuzahlen, verlangt er ein Pfund Menschenfleisch seines Schuldners. Von seiner Umgebung verachtet und nicht ernst genommen, pocht er hartnäckig auf sein Recht.
Burkhard Schmiester hat es auf gekonnte Weise vollbracht, einen jahrhunderte alten Text in die moderne Zeit zu übertragen, ohne dabei dessen eigentliche Themen in den Hintergrund zu drängen: Misstrauen, Schuldzuweisungen, Oberflächlichkeiten sowie das schöne Schein & Sein sind aktueller denn je. Wer die kleine Portia, gespielt von Jutta Dolle, lasziv und wild in roten Netzstrümpfen über die Bühne hüpfen sieht, allzeit den Spruch "Meine kleine Person ist dieser Welt schon wieder überdrüssig - Ich langweile mich!" auf den Lippen, fühlt sich gar an in den Medien allgegenwärtige Popsternchen erinnert.
Dank der brillianten Besetzung, die mit Enthusiasmus bei der Sache ist und ihre Rollen bis zum letztmöglichen auslebt, besteht keine Gefahr, dass das Stück den moralischen Zeigefinger erhebt oder Langeweile aufkommen lässt. Humorvolle und teilweise leicht klamaukige nebst nachdenklichen Episoden bescheren dem Zuschauer viel mehr einen Theaterabend, wie man ihn sich immer wünscht." (Julia Schmitz, koeln.de, 10. Januar 2009)
"Die jungen und nach dem Ideal ewiger Jugend und Schönheit strebenden Venezianer sind in Partystimmung. Ausgelassen tanzt die jeunesse doree im Saturday Night Fever durch die Bar "Belmont" auf der Suche nach Befriedigung materieller und fleischlicher Gelüste, ohne Rücksicht auf seelische Kollateralschäden.
Burkhard Schmiester betont in seiner sinnlich-bunt ausgestatteten Inszenierung der Shakespeare-Komödie deren ernste Implikationen, ohne streng zu werden oder den Sinn für feinsinnige bis schrille, komische Momente zu verlieren.
Im Mittelpunkt der kühnen, aber gelungenen Aktualisierung des über 400 Jahre alten Stoffes stehen die Zustände in einer intellektuell ausgehöhlten Erlebnisgesellschaft, in der der Titel gebende Händler und der jüdische Pfandleiher Shylock nur noch als randständige Goldesel taugen. Gerd Buurmann spielt den Antagonisten mit großer Geste als Mobbingopfer mit psychopathischen Zügen.“ (Jessica Düster, Kölner Stadtanzeiger, 13. Januar 2009)
"VOM EWIGEN AUßENSEITER - Schrille Spaßgesellschaft um "Den Kaufmann von Venedig"
Das hedonistische Venedig kann überall sein - in New York, Paris oder Köln. Hier wie dort vergnügt sich eine zynische Spaßgesellschaft, die nur dem ultimativen Kick lebt.
Burkhard Schmiesters Idee, für seine Inszenierung von Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" Portias Landsitz Belmont in eine Nachtbar zu verwandeln, in der eine Mezzosopranistin für einen Hauch von Kultur sorgt, ist also durchaus schlüssig.
Über Eck lässt er die maximal ausgenutzte Bühne des Severins-Burg-Theaters bespielen; die Zuschauer sind die Gäste, die vor dem projizierten Hintergrund der "Kölner Lichter" dem unmoralischen Handel zwischen dem Kaufmann Antonio und dem jüdischen Wucherer Shylock beiwohnen. "Theater, Theater" singt Nadja Pfeiffer dazu.
Schrill und überdreht wie auf Ecstasy sind sie alle: die reiche Erbin Portia (Jutta Dolle), ihr Verehrer Bassanio (Stefan Aretz), ihre androgyne Freundin Nerissa (Ania Niedieck), Shylocks sich emanzipierende Tochter Jessica (Mareike Marx) und deren Liebhaber (Bertold Kastner) sowie die aufreizend freche Lotta (Janett Blobel).
Dass sich vor ihren Augen eine Tragödie abspielt, interessiert sie wenig. Und sie wird in der aufgeheizten Atmosphäre des "Belmont" auch nicht recht deutlich. Schmiester möchte die selbstverliebte, genusssüchtige Gesellschaft konfrontieren mit dem Außenseitertum von Antonio und Shylock, den verhassten Geldmenschen, die an ihrer Einsamkeit zerbrechen. Dieser zentrale Aspekt geht im exaltierten Getümmel ein bisschen unter.
Gerd Buurmann spielt den geprellten Shylock mit einer geradezu beängstigend hysterischen Wucht, die selbst das Partyvolk betreten schweigen lässt bei seinem berühmten Monolog ("Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht...?"), ein Ausgegrenzter am Rande des Wahnsinns, von allen gebraucht, doch von niemandem geliebt - eine eindrucksvolle Leistung.
Theodor Michael ist ein würdiger, altersweiser Antonio, den ein juristischer Trick vor dem Verlust des Fleisches bewahrt, das Shylock als Burgschaft für 3000 verliehene Dukaten gefordert hatte.
Das Severins-Burg-Theater ehrt mit dieser Rolle einen Schauspieler, der als Sohn eines "Kolonialmigranten" aus Kamerun Fremdheit am eigenen Leib erfahren musste. Mit der Vorstellung am 14. Januar feiert er in seinen 84.Geburtstag hinein und begeht zugleich sein 60. Bühnenjubiläum (die Rundschau berichtete). Starker Beifall für die lebhaft gegen den Strich gebürstete Aufführung die Alltagsjargon mit Shakespeare-Text kombiniert. (Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau, 13. Januar 2009)
Gehirne am Strand
Ein Stück Urlaub von Gerd Buurmann
Regie: Gerd Buurmann / Premiere: 2. Juli 2008
Sarah und Christian, ein junges Paar aus Deutschland, machen Urlaub auf Neuseeland und treffen dort auf die Schwestern Beate und Eva. Seit einem Unfall leidet die 20-jährige Eva an einer Teilamnesie: sie hält sich immer noch für das Mädchen, das sie vor dem Unfall war und das am Strand von Neuseeland verzweifelt ihren Hund suchte, während sie alles, was ihr gegenwärtig widerfährt, innerhalb weniger Minuten wieder vergisst. Christian ist fasziniert von Evas Zustand und gemeinsam mit Sarah stellt er Evas Vergesslichkeit in einem grausamen Spiel auf die Probe.
Mit Ania Niedieck, Markus Peters, Mareike Marx, Caroline Bruhn und Manuel Deprijck.
Dramaturgie: Viktoria Burkert.
Dramaturgie: Viktoria Burkert.

Markus Peter und Ania Niedieck
Foto: R. Franke
Pressestimmen:
"Die erste Szene wirkt fast unwirklich perfekt: Ein junges, attraktives Paar räkelt sich auf schicken Liegestühlen am weißen Sandstrand, füttert sich genüsslich mit Fruchtgummi und streicht sich ab und zu gegenseitig über die gebräunten Körper. Gerade dieser klischeehafte Auftakt des neuen Stücks „Gehirne am Strand“ von Gerd Buurmann, das am Mittwoch im Severins-Burg-Theater Premiere feierte, schafft eine seltsam angespannte Gewitterstimmung – irgendwo droht ein zerstörerisches Unwetter.
Buurmann verwandelt die kleine Bühne in einen echten Sandstrand, warm strahlt das Licht darauf. Popmusik sorgt für unbeschwertes Urlaubsflair. Die ersten Wolken ziehen am neuseeländischen Himmel auf, als das Pärchen – Sarah (Ania Niedieck) und Christian (Markus Peters) aus Köln, die ihren ersten gemeinsamen Urlaub verbringen – zwei Schwestern kennenlernen, die seit dem Unfalltod der Eltern vor zehn Jahren hier leben.
Beate (Caroline Bruhn) kümmert sich aufopfernd um die jüngere Eva (Mareike Marx spielt die infantile Rolle herausragend), die seit einem Unfall an einer Teilamnesie leidet. Eva fühlt sich immer noch als das zehnjährige Mädchen, das am Urlaubsstrand verzweifelt nach ihrem Hund sucht, aber alles vergisst, was ihr gegenwärtig widerfährt. „Wir sind zwei Fremde am Strand“, sagt Sarah bei ihrer ersten Begegnung mit Beate. Diese Anonymität schafft Platz für intime Geständnisse. Als Christian von Evas Amnesie erfährt, erwacht eine beinahe perverse Faszination in ihm, die sich in zerstörerische Machtgier steigert. Er beginnt, Evas Gedächtnis in anfänglich geschmacklosen Scherzen auf die Probe zu stellen, bis sich Sarah schockiert von ihm abwendet. Genau das ist der Punkt an dem die Geschichte kippt, das Gewitter ausbricht und nichts hinterlässt als Zerstörung. Christians seelische Grausamkeit gipfelt in einen Ausbruch körperlicher Gewalt gegenüber Eva. Dass Buurmann den Übergriff nur andeutet, verstärkt die Wirkung. Mit knappen Dialogen zeigt Buurmann den Untergang einer äußerlich heilen, unter der Oberfläche jedoch maroden Beziehung. Am Abend vor der Abreise treffen sich Sarah und Christian wieder. Was bleibt sind „zwei Fremde am Strand“. (Katharina Hamacher, Kölnische Rundschau, 04. Juli 2008)
"Gedächtnisverlust und der schwerste Papagei der Welt, die Abgründe des menschlichen Geistes und die Vorzüge männlicher Beschneidung: Auseinanderstrebende Themen bindet Gerd Buurmanns "Gehirne am Strand" zu einem mal derben, mal erstaunlich feinsinnigen Stück zusammen." (Kölner Stadtanzeiger, 07. Juli 2008)
"Buurmann inszeniert sein Stück im Severins-Burg-Theater geradlinig und effektiv." (Kölner Stadtanzeiger, 07. Juli 2008)
"Ania Niedieck verleiht mit natürlicher Präsenz ihrer Sarah eine seelische Tiefe, die über das bloße Spiel hinausweist." (Kölner Stadtanzeiger, 07. Juli 2008)
Buurmann verwandelt die kleine Bühne in einen echten Sandstrand, warm strahlt das Licht darauf. Popmusik sorgt für unbeschwertes Urlaubsflair. Die ersten Wolken ziehen am neuseeländischen Himmel auf, als das Pärchen – Sarah (Ania Niedieck) und Christian (Markus Peters) aus Köln, die ihren ersten gemeinsamen Urlaub verbringen – zwei Schwestern kennenlernen, die seit dem Unfalltod der Eltern vor zehn Jahren hier leben.
Beate (Caroline Bruhn) kümmert sich aufopfernd um die jüngere Eva (Mareike Marx spielt die infantile Rolle herausragend), die seit einem Unfall an einer Teilamnesie leidet. Eva fühlt sich immer noch als das zehnjährige Mädchen, das am Urlaubsstrand verzweifelt nach ihrem Hund sucht, aber alles vergisst, was ihr gegenwärtig widerfährt. „Wir sind zwei Fremde am Strand“, sagt Sarah bei ihrer ersten Begegnung mit Beate. Diese Anonymität schafft Platz für intime Geständnisse. Als Christian von Evas Amnesie erfährt, erwacht eine beinahe perverse Faszination in ihm, die sich in zerstörerische Machtgier steigert. Er beginnt, Evas Gedächtnis in anfänglich geschmacklosen Scherzen auf die Probe zu stellen, bis sich Sarah schockiert von ihm abwendet. Genau das ist der Punkt an dem die Geschichte kippt, das Gewitter ausbricht und nichts hinterlässt als Zerstörung. Christians seelische Grausamkeit gipfelt in einen Ausbruch körperlicher Gewalt gegenüber Eva. Dass Buurmann den Übergriff nur andeutet, verstärkt die Wirkung. Mit knappen Dialogen zeigt Buurmann den Untergang einer äußerlich heilen, unter der Oberfläche jedoch maroden Beziehung. Am Abend vor der Abreise treffen sich Sarah und Christian wieder. Was bleibt sind „zwei Fremde am Strand“. (Katharina Hamacher, Kölnische Rundschau, 04. Juli 2008)
"Gedächtnisverlust und der schwerste Papagei der Welt, die Abgründe des menschlichen Geistes und die Vorzüge männlicher Beschneidung: Auseinanderstrebende Themen bindet Gerd Buurmanns "Gehirne am Strand" zu einem mal derben, mal erstaunlich feinsinnigen Stück zusammen." (Kölner Stadtanzeiger, 07. Juli 2008)
"Buurmann inszeniert sein Stück im Severins-Burg-Theater geradlinig und effektiv." (Kölner Stadtanzeiger, 07. Juli 2008)
"Ania Niedieck verleiht mit natürlicher Präsenz ihrer Sarah eine seelische Tiefe, die über das bloße Spiel hinausweist." (Kölner Stadtanzeiger, 07. Juli 2008)
Dona Rosita bleibt ledig
oder Die Sprache der Blumen
von Federico Garcia Lorca
Inszenierung.: Burkhard Schmiester / Premiere: 8. März 2008
War der zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs von den Faschisten ermordete Federico García Lorca wirklich der andalusische Folklore-Dichter, als der er zumeist auf den deutschen Bühne rezipiert wird?
War Lorca nicht eher der bittere Kritiker eines Kleinbürgertums, das die schönsten Träume, Wünsche und Sehnsüchte, die allerdings ein wahres Leben hätten ausmachen können, zernichtet und zerschlägt?
Im Zerrspiegel seiner spezifischen Poesie zeigt Lorca mit einem oft bitteren Humor die zerstörten Sehnsüchte und ihre letzten Japser im Würgegriff der Ignoranz und Dummheit. Und damit weist er weit über seine Zeit und Andalusien hinaus.
Rosita sehnt sich nach Liebe - synonym steht bei Lorca dafür ein Mann. Aber nur das Bild der Begierde ist traditionell und konventionell, Rositas Sehnsucht gilt einem Leben im Wahren.
Mit Juliane Lüttmann, Sabine Henn, Melanie Kleinsorg, Marja Krings, Inka Weinand, Brigitte Oessling und Theodor Michael.
War Lorca nicht eher der bittere Kritiker eines Kleinbürgertums, das die schönsten Träume, Wünsche und Sehnsüchte, die allerdings ein wahres Leben hätten ausmachen können, zernichtet und zerschlägt?
Im Zerrspiegel seiner spezifischen Poesie zeigt Lorca mit einem oft bitteren Humor die zerstörten Sehnsüchte und ihre letzten Japser im Würgegriff der Ignoranz und Dummheit. Und damit weist er weit über seine Zeit und Andalusien hinaus.
Rosita sehnt sich nach Liebe - synonym steht bei Lorca dafür ein Mann. Aber nur das Bild der Begierde ist traditionell und konventionell, Rositas Sehnsucht gilt einem Leben im Wahren.
Mit Juliane Lüttmann, Sabine Henn, Melanie Kleinsorg, Marja Krings, Inka Weinand, Brigitte Oessling und Theodor Michael.
Pressestimmen:
"Dona Rosita gleicht der zarten Rosa Mutabilis im Gewächshaus ihres Onkels: Morgens blüht sie rot auf, abends wird sie weiß und in der Nacht lässt sie ihre Blätter fallen. Rosita verlobt sich in der Blüte ihrer Jahre mit einem Mann, der sie dann ihr ganzes Leben lang vergeblich auf die Hochzeit warten lässt. Den Prozess vom Knospen der Liebe bis zum langsamen Dahinwelken eines Menschen arbeitet Burkhard Schmiester in seiner Inszenierung von Federico Garcia Lorcas 1935 uraufgeführten Drama deutlich heraus: Was wie eine überdrehte Komödie mit farbenfrohen Kostümen und fröhlichem Gesang und Tanz beginnt und nur wenige melancholische Momente durchscheinen lässt, wird nach der Pause zum Trauerspiel um zerstörte Träume und Kritik an einer Gesellschaft, die Frauen ein solches Schicksal aufbürdet. In der Titelrolle zeigt Marja Krings eine berührende Darstellung, getragen von einem gut aufgelegten Ensemble aus einem Mann und sechs Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs." (Jessica Düster, Kölner Stadtanzeiger)
"Die kostbare Rose "muta mutabilis" blüht nur einen einzigen Tag. Morgens geht sie blutrot auf, wird in der Mittagssonne hart wie Koralle und verliert in der Nacht, weiß geworden, alle Blätter. In ihr fand Federico Garcia Lorca für sein Stück „Dona Rosita bleibt ledig oder Die Sprache der Blumen“ das Sinnbild für die Waise Rosita, die bei ihrer Tante und dem schrulligen, Blumen züchtenden Onkel aufgewachsen ist. Jahrzehntelang wartet sie auf ihren ausgewanderten Verlobten, der längst eine andere geheiratet hat.
Rosita, die ewige Braut, flüchtet sich in eine Traumwelt. Burkhard Schmiester, der Hausherr des Severins-Burg-Theaters, hat für den ersten Teil seiner Inszenierung gnadenlos die Melancholie der bitteren Romanze über Bord geworfen und ein schrilles Panoptikum grotesker Figuren im Granada um 1900 entworfen – mehr Fellini als Lorca. [...] Nach der Pause entsteht eine Art „Kirschgarten“-Atmosphäre des Niedergangs: Der verstorbene Onkel hat die Familie verarmt zurückgelassen. Wie Zombies bewegen sich die Frauen nun in einem Schattenreich von Trauer und Wahnsinn [...] mit gleich wohl beachtlichen schauspielerischen Leistungen." (Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau)
Rosita, die ewige Braut, flüchtet sich in eine Traumwelt. Burkhard Schmiester, der Hausherr des Severins-Burg-Theaters, hat für den ersten Teil seiner Inszenierung gnadenlos die Melancholie der bitteren Romanze über Bord geworfen und ein schrilles Panoptikum grotesker Figuren im Granada um 1900 entworfen – mehr Fellini als Lorca. [...] Nach der Pause entsteht eine Art „Kirschgarten“-Atmosphäre des Niedergangs: Der verstorbene Onkel hat die Familie verarmt zurückgelassen. Wie Zombies bewegen sich die Frauen nun in einem Schattenreich von Trauer und Wahnsinn [...] mit gleich wohl beachtlichen schauspielerischen Leistungen." (Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau)
King Lear und seine Töchter
Eine Familien-Tragödie von William Shakespeare
Inszenierung: Burkhard Schmiester / Premiere: 11.September 2007
Ein alter Mann verschenkt an seine drei Töchter Hab und Gut, verlangt aber ihre unbedingte Liebe und auch, dass sie ihn in Zukunft aushalten, ihn und viele seiner Freunde. Dieser Big Spender heißt bei Shakespeare KING LEAR – der aber ist so wenig ein wahrer Gönner, wie er sich lediglich die Loyalität seiner Töchter, ihre Unterwerfung und Dienst-barkeit für all seine Launen und Lustbarkeiten zu sichern sucht.
Die Tragödie KING LEAR aber hat eigentlich schon vor der großen Schenkung begonnen. In den Zeiten nämlich, da dieser König seiner Vaterliebe jeden Altruismus ausgetrieben und in denen er übergriffig und rücksichtslos den Töchtern gegenüber seine sexuelle Potenz ausgelebt hatte.
So lauert in dieser LEAR-Inszenierung die Rücksichts- und Skrupellosigkeit jedoch auch unserer Zeit, in der Liebe allzu oft gewalttätiger Egoismus nur ist und sexuelle Gewalt der neuer, perverser Hedonismus.
Mit Theodor Michael, Gerd Buurmann, Juliane Lüttmann, Marja Krings, Caroline Bruhn, Ursula Michelis, Sabine Putzler und Christopher Pott.
Dramaturgie: Isabel Rohner. Kostüme: Ursula Braun. Technik: Jupp Wagner.
Die Tragödie KING LEAR aber hat eigentlich schon vor der großen Schenkung begonnen. In den Zeiten nämlich, da dieser König seiner Vaterliebe jeden Altruismus ausgetrieben und in denen er übergriffig und rücksichtslos den Töchtern gegenüber seine sexuelle Potenz ausgelebt hatte.
So lauert in dieser LEAR-Inszenierung die Rücksichts- und Skrupellosigkeit jedoch auch unserer Zeit, in der Liebe allzu oft gewalttätiger Egoismus nur ist und sexuelle Gewalt der neuer, perverser Hedonismus.
Mit Theodor Michael, Gerd Buurmann, Juliane Lüttmann, Marja Krings, Caroline Bruhn, Ursula Michelis, Sabine Putzler und Christopher Pott.
Dramaturgie: Isabel Rohner. Kostüme: Ursula Braun. Technik: Jupp Wagner.
Pressestimmen:
"Eine durchaus gewagte, aber plausible Interpretation, die dem Klassiker frech die Patina abkratzt." (Kölner Stadtanzeiger)
Drinnen
Eine Komödie von Gerd Buurmann
Regie: Gerd Buurmann / Premiere: 2.Juli 2007
Zwei Menschen finden sich plötzlich herausgerissen aus ihrem Alltag, gefangen in einem Raum ohne Türen, ohne Zeit, ohne Ausweg, dafür mit einer Autorin, die ihr Handeln zu schreiben scheint - und plötzlich hemmungslos in das Geschehen eingreift. Wer sind wir? Was tun wir? Und was tun, wenn man plötzlich drinnen ist?
Mit Gerd Buurmann, Annika Weitershagen und Anke Giffhorn.
Dramaturgie: Viktoria Burkert. Technik: Martin Cordemann, Viktoria Burkert.
Pressestimmen:
"überaus originelles Theater über das Theater" (Kölner Stadtanzeiger)
Mutterliebe
Ein kleines böses Märchen von August Strindberg
Inszenierung: Burkhard Schmiester / Premiere: 11.Juni 2007
Mutterliebe - in unserer Gesellschaft wird sie bisweilen idealisiert. Oder sie findet nicht mehr statt: Kinder verwahrlosen, sterben. Bei Strindberg ist die Mutterliebe in der "Mutterliebe" sicherlich unter dem Aspekt des eher Grausamen zu finden. So wandte sich - aus gegebenen Anlässen - die Inszenierung den aktuellen Grausamkeiten in der heutigen Mutterliebe zu.
Mit Marion Minetti, Kristina Günther-Vieweg, Carmen Senegasnic und Gerd Buurmann.
Inszenierung: Burkhard Schmiester / Premiere: 11.Juni 2007
Mutterliebe - in unserer Gesellschaft wird sie bisweilen idealisiert. Oder sie findet nicht mehr statt: Kinder verwahrlosen, sterben. Bei Strindberg ist die Mutterliebe in der "Mutterliebe" sicherlich unter dem Aspekt des eher Grausamen zu finden. So wandte sich - aus gegebenen Anlässen - die Inszenierung den aktuellen Grausamkeiten in der heutigen Mutterliebe zu.
Mit Marion Minetti, Kristina Günther-Vieweg, Carmen Senegasnic und Gerd Buurmann.
Pressestimmen:
"Traum vom verkrüppelten Weib. Giftig: Burkhard Schmiester inszeniert Strindbergs Mutterliebe. Die Mutter Amelie (Marion Minetti als schriller Dragoner) hält ihre Tochter Helene in totaler Unmündigkeit. Die anrührende Kristina Günther-Vieweg verleiht der einsamen, liebeshungrigen Kindfrau alle Facetten bis hin zur verzweifelten Anstrengung, am Leben teilzuhaben. Den vorenthaltenen Vater hat das Mädchen zum Helden verklärt. Tante Auguste stößt diesen Mythos roh vom Sockel und Helene fast in den Abgrund. Denn nun wird sie zum Sexobjekt diesr zerstörerischen Person, die Gerd Buurmann als lüsternen Faun mit Netzstrümpfen verkörpert - ein bisschen Spaß muss sein in dieser giftigen Farce, die Schmiester überzeugend aus Strindbergs Psycho-Steinbruch formt. Denn einen Ausweg aus der "selbstverschuldeten Unmündigkeit" findet die arme Kleine nicht - "ich möchte keine Emanzipierte werden". Das Weib mit verkrüppeltem Ego - ein Strindbergscher Traum? Herzlicher Beifall." (Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau)
"Der Freak tanzt gleich am Anfang über die Bühne. Über eine Leinwand flimmert ein Film, als plötzlich Tante Augeste die Bühne betritt. Die glatzköpfige "Tante" - fantastisch freakig gespielt von Gerd Buurmann - trägt Nazi-Mantel und Netzstrumpfhose. Und eine falsche Glatze, die sich Buurmann später noch genüsslich vom Kopf reißen wird. So beginnt "Mutterliebe", laut Ankündigung "ein kleines böses Märchen aus unserer Welt". Das Stück von August Strindberg wird selten gespielt. In "Mutterliebe" geht es um die pathologische Beziehung zwischen einer Mutter und ihrer Tochter Helene. Die Mutter schirmt Helene von der Außenwelt ab, lässt sie nicht heraus aus der eigenen Welt, die in der Kölner Inszenierung recht bizarr bebildert ist. Als der Vater, von dem Helene bisher nichts wusste, über eine Tochter aus zweiter Ehe Kontakt zu seiner Tochter aufnehmen will, zieht die Mutter (dominant: Marion Minetti) alle Register der Manipulation. Am Ende gelingt es Helene trotz aller Versuche nicht, die Fesseln zu sprechen. "Dafür kann man nichts, wer die Eltern sind", sagt sie. Wie schwer ist es, aus der Hölle der Unmündigkeit zu entkommen, darum geht es in "Mutterliebe". Teilweise starke Bilder findet Regisseur Burkhard Schmiester für diese Abhängigkeit. Aber am Ende bleibt der Eindruck, doch keinen vermeintlichen "bösen" Beitrag zur Mutter-Debatte gesehen zu haben. Sondern nur eine möglichst schockige Freakshow der Gefühle." (Michael Aust, Kölner Stadtanzeiger)
"Der Freak tanzt gleich am Anfang über die Bühne. Über eine Leinwand flimmert ein Film, als plötzlich Tante Augeste die Bühne betritt. Die glatzköpfige "Tante" - fantastisch freakig gespielt von Gerd Buurmann - trägt Nazi-Mantel und Netzstrumpfhose. Und eine falsche Glatze, die sich Buurmann später noch genüsslich vom Kopf reißen wird. So beginnt "Mutterliebe", laut Ankündigung "ein kleines böses Märchen aus unserer Welt". Das Stück von August Strindberg wird selten gespielt. In "Mutterliebe" geht es um die pathologische Beziehung zwischen einer Mutter und ihrer Tochter Helene. Die Mutter schirmt Helene von der Außenwelt ab, lässt sie nicht heraus aus der eigenen Welt, die in der Kölner Inszenierung recht bizarr bebildert ist. Als der Vater, von dem Helene bisher nichts wusste, über eine Tochter aus zweiter Ehe Kontakt zu seiner Tochter aufnehmen will, zieht die Mutter (dominant: Marion Minetti) alle Register der Manipulation. Am Ende gelingt es Helene trotz aller Versuche nicht, die Fesseln zu sprechen. "Dafür kann man nichts, wer die Eltern sind", sagt sie. Wie schwer ist es, aus der Hölle der Unmündigkeit zu entkommen, darum geht es in "Mutterliebe". Teilweise starke Bilder findet Regisseur Burkhard Schmiester für diese Abhängigkeit. Aber am Ende bleibt der Eindruck, doch keinen vermeintlichen "bösen" Beitrag zur Mutter-Debatte gesehen zu haben. Sondern nur eine möglichst schockige Freakshow der Gefühle." (Michael Aust, Kölner Stadtanzeiger)
Richard III
von William Shakespeare
Regie: Gerd Buuurmann 7 Premiere: 1.Mai 2007
"Die Erde gähnt, die Hölle brennt, die Teufel brüllen, Heil'ge beten, auf dass er schleunig werde weggerafft. Vernichte, lieber Gott, ich fleh dich an, den Pfandschein seines Lebens, dass ich noch dies Wort erleben mag: der Hund ist tot!"
Mit Kristina Günther-Vieweg, Heike Behrendt, Caroline Bruhn, Elisabeth Emmanouil, Anna Scholten.
Mit Kristina Günther-Vieweg, Heike Behrendt, Caroline Bruhn, Elisabeth Emmanouil, Anna Scholten.
Pressestimmen:
"Kristina Günther-Vieweg ... gelingt ein beängstigend charismatischer Psychopath" (Kölner Stadtanzeiger, 03. Mai 2007)
Deutschland. Ein Wintermärchen
von Heinrich Heine
Regie: Gerd Buurmann und Tobias Weber /Premiere: 1.Januar 2007
Tobias Weber und Gerd Buurmann nehmen das Publikum mit auf eine schauspielerische Reise durch Deutschland und verbinden dies mit Filmsequenzen der besonderen Art: gemeinsam mit ihrem Kameramann Martin Koddenberg sind sie für ihre Recherchen die reale Deutschlandreise Heines nachgereist und haben Menschen in Unna, Hagen, Minden, Hannover und Hamburg dazu gebracht, Heines Verse, die sich mit diesen Städten befassen, für die Kamera vorzulesen. Ein Augen- und Ohrenschmaus!
Mit Gerd Buurmann, Tobias Weber, Kristina Günther-Vieweg, Mareike Marx, Annika Weitershagen.
Musik: Bernd Schaumann. Kostüme: Iris Zimmermann. Technik: Martin Cordemann, Viktoria Burkert.
Musik: Bernd Schaumann. Kostüme: Iris Zimmermann. Technik: Martin Cordemann, Viktoria Burkert.

Tobias Weber und Gerd Buurmann
Foto: W. Weimer
Pressestimmen:
"Mit Heine quer durch Deutschland. Als lustvolles Spiel mit der deutschen Sprache wird das Versepos inszeniert." (Kölner Stadtanzeiger)
"Die Neujahrspremiere fiel opulent aus: Heinrich Heines monumentales Versepos "Deutschland. Ein Wintermärchen" - ungekürzt - als inszeniertes Gedicht, eine Aufführung des 163 Jahre alten, von der damals üblichen Zensur unberührten Originals. Der Text offenbart einen am oberen Ende seiner Sprachmacht angekommenen Heine, den eine Reise von Aachen nach Hamburg, nachdem er 13 Jahre nicht im Lande war, zu einem emotionalen Ausbruch inspiriert. Einem immergleichen formalen Modell folgend, holpert und poltert diese Politsatire durch das damals in 36 Einzelstaaten zerfallene Deutschland.
Nur: Satire lebt von der Tagesaktualität. Fügung der Geschichte, dass damals wie heute die schwarz-rot-goldene Flagge als Symbol in Patriotismusdebatten herhält. Doch damit hat es sich auch ein wenig mit der Zeitlosigkeit: Viele Details sind inzwischen dem kulturellen Gedächtnis Deutschlands entflogen. Wie will da die dramatische Fassung des "Wintermärchens" mit Gerd Buurmann, Tobias Weber und Kristina Günther-Vieweg 163 Jahre alte Pointen zum Zünden bringen?
Sie lösen die Aufgabe klug. Sie lassen Heines Text so bestehen, wie er ist, in seinem hymnischen Ton, der stellenweise über sich selbst stolpert, als lustvolles Spiel mit der deutschen Sprache - und fügen andere, aktuelle, mitunter auch alberne Versatzstücke hinzu. Nicht zuletzt - als Film zu sehen - ein Verfolgen von Heines Route, heute, mit dem Auto. Passanten auf der Straße werden gebeten, aus dem "Wintermärchen" zu lesen.
Solche Ideen konterkarieren Heine, ohne ihn demontieren zu wollen. Sie erfüllen die Funktion der verloren gegangenen Aktualität. Und sorgen so für einen kurzweiligen Theaterabend." (Peter Backof, Kölner Stadtanzeiger, 03. Januar 2007)
"Bei Buurmann und Weber wird Heines Deutschlandreise zu einer einzigen Bühnensause." (Kölnische Rundschau)
"Die Neujahrspremiere fiel opulent aus: Heinrich Heines monumentales Versepos "Deutschland. Ein Wintermärchen" - ungekürzt - als inszeniertes Gedicht, eine Aufführung des 163 Jahre alten, von der damals üblichen Zensur unberührten Originals. Der Text offenbart einen am oberen Ende seiner Sprachmacht angekommenen Heine, den eine Reise von Aachen nach Hamburg, nachdem er 13 Jahre nicht im Lande war, zu einem emotionalen Ausbruch inspiriert. Einem immergleichen formalen Modell folgend, holpert und poltert diese Politsatire durch das damals in 36 Einzelstaaten zerfallene Deutschland.
Nur: Satire lebt von der Tagesaktualität. Fügung der Geschichte, dass damals wie heute die schwarz-rot-goldene Flagge als Symbol in Patriotismusdebatten herhält. Doch damit hat es sich auch ein wenig mit der Zeitlosigkeit: Viele Details sind inzwischen dem kulturellen Gedächtnis Deutschlands entflogen. Wie will da die dramatische Fassung des "Wintermärchens" mit Gerd Buurmann, Tobias Weber und Kristina Günther-Vieweg 163 Jahre alte Pointen zum Zünden bringen?
Sie lösen die Aufgabe klug. Sie lassen Heines Text so bestehen, wie er ist, in seinem hymnischen Ton, der stellenweise über sich selbst stolpert, als lustvolles Spiel mit der deutschen Sprache - und fügen andere, aktuelle, mitunter auch alberne Versatzstücke hinzu. Nicht zuletzt - als Film zu sehen - ein Verfolgen von Heines Route, heute, mit dem Auto. Passanten auf der Straße werden gebeten, aus dem "Wintermärchen" zu lesen.
Solche Ideen konterkarieren Heine, ohne ihn demontieren zu wollen. Sie erfüllen die Funktion der verloren gegangenen Aktualität. Und sorgen so für einen kurzweiligen Theaterabend." (Peter Backof, Kölner Stadtanzeiger, 03. Januar 2007)
"Bei Buurmann und Weber wird Heines Deutschlandreise zu einer einzigen Bühnensause." (Kölnische Rundschau)